Gestalttage
Die Gestalttage sind die jährliche
Fachtagung der Fachsektion Integrative Gestalttherapie.
Sie finden abwechselnd in verschiedenen
Bundesländern statt.
Eine Nachschau mit Fotos und Videos von den Gestalttagen 2012 zum Thema
"Macht und Ermächtigung - Psychotherapie zwischen Kontrolle, Anpassung
und Emanzipation" finden Mitglieder hier.
In Kürze werden Sie hier auch Texte zum Nachlesen finden, die die Vortragenden zur Verfügung stellen.
eine Radiosendung, die bei den Gestalttagen entstanden ist
(bis 14. 2. im Internet nachzuhören):
Der Begriff "Macht" ist sehr stark gefühlsmäßig - und da sehr
zwiespältig - besetzt. Im Allgemeinen wird er meist dem Begriff
"Herrschaft" zugeordnet und ist damit - zumindest offiziell - negativ
konnotiert. Im eigentlichen Wortsinn ist "Macht" allerdings nur von
"machen" abgeleitet, bedeutet also so etwas wie "Können", "Fähigkeit"
und "Vermögen" - weshalb ihm auch, inoffiziell, eine gewisse
Faszination innewohnt.
Auch in psychotherapeutischen Beziehungen spiegeln sich
Machtverhältnisse wider: Schon bevor eine solche Beziehung überhaupt
entsteht, hat ja der Therapeut die Macht, Diagnosen zu stellen - und
der Patient die Macht, eine Therapie seinerseits bewusst scheitern zu
lassen. Der Erfolg einer Therapie ist also immer - auf welches
Verfahren sich die therapeutischen Partner auch immer einigen mögen -
primär abhängig davon, ob es gelingt, eine Atmosphäre beiderseitigen
Vertrauens zu schaffen.
Ebenso selbstverständlich birgt der Charakter der psychotherapeutischen
Arbeit die Gefahr missbräuchlichen Handelns; es stellt sich also die
Frage: Dient die psychoanalytische Therapie der Erhaltung bestehender
gesellschaftlicher Machtverhältnisse? Oder dient sie, wie es ja ihr
Ziel ist, der Selbstermächtigung des Patienten? Welche Möglichkeiten
autonomer Entwicklung hat ein Patient tatsächlich - und wie wirken sich
geschlechtsspezifische Rollenbilder in der therapeutischen Arbeit aus?
Diese Fragen wurden bei den diesjährigen "Gestalttagen" in Wien aus
verschiedenen Blickwinkeln diskutiert: Aus gestalttherapeutischen
ebenso wie aus psychoanalytischen, soziologischen,
kulturwissenschaftlichen und literarischen.
Archiv: Programm Gestalttage