Wirkfaktoren - weitere Details

Vollständige Studie zum Download (pdf)

Zusammenfassung: ERGEBNISSE IM DETAIL

2.1. Beschreibung der Stichprobe (soziographische Daten)

2.2. Zugang zur Therapie

2.3. Therapeutisches Setting

2.4. KlientInnenvariable

2.5. TherapeutInnenvariable

2.6. Therapeutischer Prozeß und therapeutische Beziehung

2.7. Wirkung und Zufriedenheit mit der Therapie


2.1 Soziografische Daten: Wer nimmt Gestalttherapie in Anspruch:

Das Alter der KlientInnen, die an der Befragung teilnahmen, reichte von 18 Jahren bis 76 Jahren. Die Alterskurve der Antwortenden erreicht ihre höchste Ausprägung in der Alterskategorie von 30 bis 40 Jahren (ca. 40% der Gesamtstichprobe). Die 20 - 30`Jährigen sowie die 41- 50 `Jährigen machen je 20% der Gesamtstichprobe aus. Von den Antwortenden waren ca. zwei Drittel Frauen (71%) und (29%) Männer und wohnen sowohl in der Großstadt wie in Kleinstädten oder am Land. 71% standen im Erwerbsleben 15 % waren in Ausbildung, 5% in Pension.

2.2 Zugang zur Therapie:

Der überwiegende Teil der Befragten (52%) kommt durch mit Empfehlungen aus dem privaten Umfeld zur Therapie, zu 41% waren es Eigeninteresse und -information, ein geringerer Prozentsatz (19%) der Befragten kommt auf Empfehlung aus dem medizinischen Bereich.

Was passiert vor dem Entschluß zur Psychotherapie: Die Mehrzahl (81%) der KlientInnen versuchte die vor Beginn der Gestalttherapie mit anderer Hilfe ihr Problem zu lösen 79% aller hier antwortenden Personen haben insgesamt jahrelang versucht, alleine oder mit Hilfe von anderen mit ihrer Situation fertig zu werden. Vor allem bei den Symptomgruppen "Alkohol/Drogen", "Eßstörungen" und "Depression ohne somatische Probleme" wurde schon über einen längeren Zeitraum versucht, das Problem mit nicht-psychotherapeutischer Hilfe zu lösen.

Insgesamt finden die KlientInnen nach ihrer Entscheidung eine Psychotherapie zu beginnen eher schnell einen Therapieplatz, nicht einmal ein Fünftel von ihnen wählt zwischen mehreren TherapeutInnen aus.

Wer vermutet, seine psychotherapeutische Behandlung eher geheimhalten zu müssen, ist mit dem Ergebnis dieser im nachhinein eher weniger zufrieden.

2.3 Wie läuft die Therapie ab? (Setting):

77% waren in Einzeltherapie, 11% in Gruppentherapie und 10 % der Gesamtstichprobe in gestalttherapeutischer Paartherapie. 94 % wurden in einer Privatpraxis behandelt.

Insgesamt wird die Abwicklung und Höhe des Krankenkassen-Zuschusses von den KlientInnen sehr kritisch gesehen, wenn auch die Tatsache, daß es ihn überhaupt gibt, begrüßt.

Die Gestalttherapie dauerte im Durchschnitt 70 Wochen, (das entspricht etwa eineinhalb Behandlungsjahren). 25 % der Befragten waren weniger als 30 Wochen in Behandlung, für 25% der Befragten betrug der Zeitraum der Behandlung über 104 Wochen (etwa zweieinhalb Behandlungsjahre). Die Mehrzahl (70%) hatte eine wöchentliche Sitzung, die dann auf 14-tägig bis zu einmal monatlich verringert wird. Auch längere Sitzungspausen, oder Wochenendgruppen sind möglich.

2.4 Welche Beschwerden haben die KlientInnen (Diagnose):

Fast alle KlientInnen (410 = 95%) antworteten auf die Frage nach einer eigenen Darstellung ihrer Probleme zu Beginn der Therapie, wobei einzelne dabei bis zu 8 verschiedene Leidensaspekte beschrieben. An erster Stelle der Beschwerden stehen mit 411 Nennungen klinische Störungen, v.a. Depressionen und Ängste (je 35% der Gesamtstichprobe).

An zweiter Stelle der Nennungen stehen bei mehr als der Hälfte der Antworten mit klinischen Störungen einhergehende Probleme im sozialen Umfeld, Partnerschaft und Familie bzw. wird dazu Isolation genannt. 9% geben dabei auch Probleme im Berufsleben an.

Nach den sozialen Beeinträchtigungen folgt an 3. Häufigkeitsstelle der Nennungen eine Kategorie, die mit Persönlichkeitsproblemen zu umschreiben ist (55% aller Antwortenden): Dabei stehen Selbstwertprobleme, Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen, mangelnde Durchsetzungsfähigkeit, innere Unruhe und Ziellosigkeit etc. im Vordergrund.

44% der Antwortenden nennen als vierte Großkategorie körperliche Probleme und (psycho)somatische Erkrankungen: An erster Stelle stehen dabei Probleme des Gastro-intestinaltrakts, gefolgt von Migräne und Herzbeschwerden. Einige Nennungen beziehen sich auf unspezifische vegetative Symptome wie Zittern, Schwitzen, Übelkeit etc.

Störungen der Befindlichkeit waren in 26% aller Antworten enthalten. Als herausragend zeigt sich die Klage über mangelnde Lebensfreude, innere Zerrissenheit und Resignation. 13% aller Antworten beinhaltenden auch Störungen der Aktivierung (Antriebslosigkeit, Müdigkeit..).

Die Symptomatik klinischer Störungen wird somit in der Wahrnehmung der antwortenden KlientInnen als große, aber nur eine Dimension ihrer Belastung gesehen, auf die soziale und Selbstwertproblematik sowie körperliche Beschwerden und vielfältige Begleiterscheinungen wird ebenso detailliert eingegangen - bzw. was jeweils rückblickend am belastendsten erlebt wurde, wurde an erster Stelle genannt. Weiters ist diese Antwort ein Indiz dafür, daß Menschen ihre (seelischen) Leidenszustände ganzheitlich und in vielen Aspekten wahrnehmen und eine monosymptomatische Beeinträchtigung im Erleben der KlientInnen praktisch nicht vorkommt.

Die Befragten kreuzten sodann folgende vorgegebenen Problembereiche an, zu deren Behandlung sie die Psychotherapie in Anspruch nahmen (Mehrfachnennungen waren möglich):

66 Prozent fühlten sich niedergeschlagen, ängstlich und traurig,

52 Prozent litten unter Depressionen,

48 Prozent nannten Paar- oder Sexualprobleme,

40 Prozent erlebten Angstzustände und 14 Prozent hatten Panikattacken,

27 Prozent hatten Probleme mit Kindern und Familienmitgliedern,

20 Prozent gaben Probleme am Arbeitsplatz an,

15 Prozent hatten Tauerreaktionen,

15 Prozent wiesen Eßstörungen auf,

11 Prozent nannten Alkohol- und Drogenprobleme.


Die Auftretenshäufigkeit der Symptome, die Anlaß für die psychotherapeutische Behandlung war hoch: Über ständige, tägliche bis wöchentliche Beschwerden klagten retrospektiv (kumulierte) 83% der Stichprobe.

63% der KlientInnen schätzen ihre seelische Ausgangslage vor Beginn der Therapie als sehr negativ ein (Schulnotenskala 4 oder 5). Schwere oder leichtere Symptomatik zu Beginn der Therapie ist dabei aber kein Indiz für spätere Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Behandlung. Gestalttherapie kann sowohl bei leichterer als auch schwerer Symptomatik gleich hilfreich sein.


Was erwarten sich KlientInnen von ihrer Behandlung:

Die offene Frage nach Zielen und Erwartungen an die Gestalttherapie zu deren Beginn beantworteten etwa 98% der Befragten. An erster Stelle (53% aller Antworten) steht die Dimension der Persönlichkeitsveränderung mit Selbstwertzunahme, der Wunsch mehr Selbstvertrauen und Ruhe zu gewinnen, gefolgt von 35% Zielen, die mit sozialen Beziehungen, allen voran partnerschaftlichen, zu tun haben. 30% aller Antwortenden erwarten sich eine Verbesserung in Bezug auf ihre Lebensfreude und ihr Vitalgefühl. Erst an vierter Stelle stehen mit 22% der Antwortenden eine Kategorie, die sich allein auf die Verbesserung klinisch-psychiatrischer Störungen bezieht; Für 14 % der Befragten ist die Linderung körperlicher Symptomatiken vorrangiges Bedürfnis. Je 13% der Antwortenden beziehen sich auf den Erhalt von Hilfe oder die Lösung von konkreten Lebensproblemen.

Die Reihung des Wunsches nach bloßer Reduktion klinischer Symptomatiken erst an vierter Häufigkeitsstelle der Nennungen deutet auf ein ganzheitliches, mehrdimensionales Wahrnehmen ihres Leidenszustandes durch die BeantworterInnen hin.

Was gab es Hilfreiches außerhalb der Therapie, andere Faktoren in Ihrer Umwelt, die Veränderungen bewirkten? Hier findet sich die größte Unterstützung in Freundschaften (25% aller hier Antwortenden), sodann in bestehenden Partnerschaften (13% aller hier Antwortenden) und der Familie (11%).

An zweiter Häufigkeitsstelle der unterstützenden Faktoren werden - allerdings mit großem numerischen Abstand (18%) - Ausbildung und Beruf genannt, gefolgt von persönlichen (Freizeit)interessen und Tätigkeiten (15% aller Antwortenden) darunter auch spirituelle Hilfe. Jeweils ca. 7% der hier Antwortenden finden Hilfe und Entlastung in dem Bemühen um gesündere Lebensweise oder betonen explizit ihre eigenen Leistungen bei der Verbesserung ihrer Situation. Ebenfalls 7% haben sich auch in anderen professionellen Zusammenhängen Unterstützung geholt (andere Therapie, Selbsterfahrungs-, Selbsthilfegruppen).

5% geben an, daß außerhalb der Therapie keine hilfreichen Aspekte zu finden waren, manche (2% aller Antwortenden) konstatieren dezitiert eine Verschlechterung durch ihre Umfeldsituation.

Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen der mit ihrer Gestalttherapie zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen konnten hier nicht festgestellt werden. Veränderungen sind folglich therapieimmanent und nicht durch unterschiedliche äußere Unterstützungen bei zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen bewirkt.

Insgesamt zeigen sich bei den Erhebungen zum Status vor Beginn der Therapie und zum Kontext der KlientInnen kaum/keine Unterschiede zwischen mit der Gestalttherapie zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen. Die nachträgliche Zufriedenheit mit ihrer Therapie hängt nicht mit dem Ausgangsstatus der KlientInnen wie Schwere und Art der Symptome oder Unterstützung aus deren Umfeld zusammen. Wie kritisch urteilten die KlientInnen:

Wie kritisch urteilten die Befragten: ("Kritikfähigkeitsfaktor"): Wir wollten prüfen, ob die Gestaltpsychotherapie - aufgrund der vielen zufriedenen Antwortenden, als nur positiv gesehen wird. Dabei zeigt sich, daß überzufällig viele Befragte sowohl bezüglich positiver als auch negativer Aspekte der Therapie antworteten. Die hier gefundene Signifikanz weißt darauf hin, daß die ehemaligen KlientInnen ihre Gestalttherapie im nachhinein (auch wenn sie zufrieden mit ihr waren) in ihren positiven und negativen Aspekten wiedergeben, und sie nicht einseitig glorifizierend oder verdammend sehen.

2.5 Wer sind die GestalttherapeutInnen:

57 % der Stichprobe waren bei einer Frau, 37 % bei einem Mann und 5% bei einem Therapeutenpaar in gestaltpsychotherapeutischer Behandlung.

Bezüglich des Alters ihrer BehandlerInnen gaben 50 % der BeantworterInnen an, bei einem/r Therapeuten/in zwischen 40 bis 49 Jahren, 41% bei einem/r Therapeuten/in unter 40 Jahren, 7% bei einem/r Therapeuten/in zwischen 50 und 59 Jahren, und 1% bei einem/r Therapeuten/in von über 60 Jahren in Behandlung gewesen zu sein. Hinsichtlich der Korrelation von Zufriedenheit mit der Therapie und Alter oder Geschlecht der BehandlerInnen ergeben sich keine signifikanten Ergebnisse. Ob ein Klient/eine Klientin bei einem Mann oder einer Frau in Therapie ist bzw. wie alt die behandelnde Person ist, macht jeweils für sich allein keinen Unterschied in den Auswirkungen auf die Zufriedenheit mit der Gestalttherapie.

Wahrgenommenes Verhalten des/der Therapeuten/in und Zufriedenheit: Gänzlich unterschiedlich nahmen zufriedene und unzufriedene KlientInnen ihren/e Therapeuten/in wahr. Von den zehn unterschiedlichen Verhaltensbeschreibungen des/der Therapeuten/in sind alle signifikant: Zufriedene KlientInnen nehmen ihre TherapeutInnen als unterstützend, partnerschaftlich, vertrauenswürdig, verständnisvoll wahr, während unzufriedene das Verhalten ihres/ihrer Therapeuten/in als eher verurteilend, herablassend, sehr am Geldverdienen interessiert oder zu sehr auf Kindheitsproblemen konzentriert und zuwenig an der aktuellen Problematik interessiert wiedergeben. Die Zufriedenheit mit der Therapie und das Verhalten der TherapeutInnen (aus Sicht der KlientInnen) hängen eng zusammen.

2.6 Was passiert während der Therapie (Prozeßvariable)

Als Wirkfaktoren im Therapieprozeß werden an erster Stelle von 79% der hierzu Antwortenden (d.s. 65% der Gesamtstichprobe) Eigenschaften und Fähigkeiten des/der TherapeutIn angegeben. Ausführliche Nennungen zu deren Einfühlsamkeit, Wärme, Geduld, Hilfe, Empathie, Geduld, des Vertrauens in deren Kompetenz und Wissen etc. finden sich in den Fragebögen. Die zweithöchte Nennungskategorie (51% aller Antwortenden) ist diejenige der "Integrativ-gestalttherapeutischen Methoden und Techniken" mit Beispielen von Rollenspiel und Hot Seat (16% aller Antwortenden) oder kreativen Medien wie Zeichnen (15%) sowie Awareness-Übungen. An dritter Häufigkeitsstelle (33%) der Wirkfaktoren reihen die Befragten allgemeine unspezifische therapeutische Haltungen und Methoden wie Akzeptanz, Ermutigung, Selbstreflexions- und Selbstwertförderung etc. 15% führen dabei auch einfach "Gespräche" an. Als nächstgrößte Kategorie zeigt sich mit 17% die Dimension der gezielten Auseinandersetzung mit Emotionen, vor allem die Unterstützung beim Zulassen unbequemer Gefühle wie Angst oder Wut wird genannt. 10% erwähnen positive Gruppenerfahrungen, mit je 4-5% rangieren allgemeinere Beschreibungen wie Auseinandersetzung mit der persönlichen Vergangenheit, mit Familienbeziehungen, Problembewältigung etc.. Etwa 3% stellen fest, daß eine Änderung hauptsächlich durch ihr eigenes Zutun eingetreten sei.

Aus diesen Antworten geht hervor, daß in Übereinstimmung mit anderen Untersuchungen der positive Rapport zum/r TherapeutIn das wesentlichste Veränderungsagens der Psychotherapie ist, in der Literatur als unspezifischen Wirkfaktor bezeichnet. Als spezifischer Wirkfaktor folgen integrativ-gestalttherapeutische Methoden und Techniken an zweiter Stelle der Häufigkeit der Nennungen von Wirkfaktoren, wobei sich hier eine hohe Wahrnehmung und Unterscheidung einzelner integrativ-gestalttherapeutischer Spezifika noch vor allgemeinen, nicht schulenspezifischen therapeutischen Methoden und Haltungen abzeichnet.

Die mit der Therapie zufriedenen KlientInnen geben als wirksam empfundene Therapiefaktoren signifikant öfter als die Unzufriedenen die Elemente "Integrativ-Gestalttherapeutische Methoden", "(positive) Eigenschaften und Fähigkeiten des/der TherapeutIn" und "Gespräche" an.

Auf die Frage nach besonders positiven Elementen im Therapieprozeß antworten 71% aller Befragten. 73% aller dieser Angaben machen Rückmeldungen bezüglich der Interaktion mit dem/der TherapeutIn aus. Dabei werden wieder vor allem Aspekte der geglückten therapeutischen Beziehung genannt (Wärme und Freundlichkeit, Geborgenheit, Komptetenz, Ernstgenommen werden, Empathie, Ehrlichkeit, Unterstützung, Zuhören etc.

An zweiter Stelle (16% der Antwortenden) stehen damit zusammenhängende allgemein persönlichkeitsfördernde therapeutische Maßnahmen wie Entwicklung von Durchsetzungsstrategien, Selbstreflexion, Selbstwertstärkung etc.

An dritter Stelle wird von 12 % aller Antwortenden die Unterstützung bei der Bearbeitung von emotionalen Problemen als besonders positiv beschrieben. 11% der Antwortenden loben explizit integrativ-gestalttherapeutische Techniken und kreative Methoden bzw. Medien. 7% aller KlientInnen haben durch das Gruppensetting besonders Erfreuliches erlebt. Weiters finden sich, allerdings in geringen Ausmaß (unter 4%), Kategorien ähnlich wie in der Frage nach den Wirkfaktoren (besonders hilfreichen Therapieelementen, siehe oben): Auseinandersetzung mit dem sozialen Umfeld, Bearbeitung der persönlichen Vergangenheit, eine gezielte Problembearbeitung, Körper- und Entspannungsübungen, die Therapieräumlichkeiten und Settingelemente.

Bei den mit der Gestalttherapie zufriedenen KlientInnen werden deren Eigenschaften und Fähigkeiten der BehandlerInnen als besonders positiv herausragende Elemente des therapeutischen Prozesses beschrieben.

2.7. Zufriedenheit und kritisierte Therapieelemente:

Kritische Äußerungen zu ihrer Gestaltpsychotherapie machten 60% aller KlientInnen, also auch viele der mit der Therapie zufriedenen. Signifikante Unterschiede ergaben sich dabei bei den Kategorien 1) "Kritik an Therapeuten/in": Rund 35 % der unzufriedenen KlientInnen äußern sich in dieser Kategorie, jedoch nur 5% der Zufriedenen. 20 % der Unzufriedenen äußerten auch 2) Kritik an den Methoden (was nur 7% der zufriedenen KlientInnen taten) und 13% der Unzufriedenen kritisierten 3) ihr eigenes Verhalten in der Therapie; bei den zufriedenen KlientInnen taten letzteres nur 4%. Keine einzige Person aber aus der Gruppe der Unzufriedenen, die Kritik an der Person des/der TherapeutIn übten, äußerte sich auch kritisch über ihr eigenes Verhalten. Nicht, daß überhaupt Kritik an der Therapie geäußert wird, macht den Unterschied zwischen mit der Gestalttherapie zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen aus, sondern in welchen Bereichen diese ansetzt: TherapeutIn und KlientIn bzw. deren Beziehung steht bei den Unzufriedenen im Mittelpunkt der Kritik.

Wie verhalten sich die KlientInnen: Signifikante Unterschiede sind zwischen mit der Gestalttherapie Zufriedenen und Unzufriedenen bei der Zustimmung zur Antwortkategorie "Ich versuchte so offen und aus mir herausgehend wie möglich zu sein" festzustellen: Unzufriedene KlientInnen stimmen dieser Formulierung weniger häufig zu als zufriedene.

Auch bezüglich der Formulierung "Ich war unwillig, für mich schmerzliche Dinge preiszugeben" zeigen sich signifikante Unterschiede zwischen zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen. Signifikant weniger Zustimmung äußerten die Unzufriedenen auch bei der Formulierung "Ich habe Hausaufgaben gemacht, die mir helfen sollten an meinen Problemen zu arbeiten"; sie arbeiteten weniger oder nicht im Sinne einer alleinigen aktiven Beschäftigung und Weiterführung von Therapieaspekten für sich und geben eine geringere "compliance" an. Dies zeigt, wie sehr die Bereitschaft zur Offenheit auch bei schwierigen Themen abhängig von der therapeutischen Beziehung ist und sich diese Offenheit in der Beziehung positiv auf die Zufriedenheit mit dem Therapieprozeß auswirkt.

Je positiver (Gesamtfaktor aus unterstützend, vertrauenswürdig, einsichtig in Probleme, beteiligt, gleichberechtigt...) der/die TherapeutIn gesehen wird, desto mehr gingen die KlientInnen aus sich heraus, desto weniger waren sie unwillig auch schmerzliche Dinge preiszugeben, umso mehr konnten sie auch negative Gefühle dem/der TherapeutIn gegenüber diskutieren und umso mehr machten sie auch "Hausaufgaben", die helfen sollten ihre Probleme zu meistern.

Bei der Mehrzahl der KlientInnen war eine genügende Besserung der Beschwerden die Ursache der Beendigung der Therapie. Fast ein Viertel der Befragten gibt als (Mit)grund für eine Therapiebeendigung auch die finanziellen Kosten an. 12% aller Antwortenden führten eine andere Psychotherapie weiter; sie wechselten zu einem/r Therapeutin anderen Geschlechts, einer anderen Schule, oder in Gruppen- bzw. Einzelsetting.


3. Die Effektivität von Gestalttherapie

wurde durch verschiedene Dimensionen erfaßt:

3.1. Zufriedenheit ind Erfüllung von Zielen und Erwartungen an die Therapie

3.2. Vorher-Nachher-Vergleich (Differenzen von Status prae und post)

3.3. Symptom- und andere Veränderungen durch die Therapie, Rückfälle

3.4. Umfeldhinweise auf Veränderungen durch die Gestalttherapie


3.1. Zufriedenheit und Erfüllung von Zielen und Erwartungen an die Therapie

Insgesamt 87 Prozent der Antwortenden waren mit der Gestalttherapie völlig bis recht zufrieden.

Die sich zufrieden mit der Gestalttherapie darstellenden KlientInnen sind von ihren soziografischen Daten her besehen, überzufällig häufig Frauen, die in einer Partnerschaft oder Familie leben. Männer und Alleinlebende sind tendenziell eher unzufrieden mit ihrer Psychotherapie. Alter, Schulbildung und ob Stadt- oder LandbewohnerIn haben keinen Zusammenhang mit der retrospektiven Zufriedenheit mit der Therapie.

Die Frage, ob sie ihre Ziele der Therapie erreicht hätte, bejahte ein Großteil der Befragten: 63 kumulierte Prozent gaben an, ihr Therapieziel zur Gänze oder zum größten Teil erreicht zu haben. (Ja, gänzlich: 14%. Ja, größtenteils: 49%. Ja, etwas: 25%. Nur wenig: 8,5%. Gar nicht: 2,1%).

Betrachtet man die inhaltlichen Nennungen auf diese Frage im Detail, so zeigt sich, daß alle hier antwortenden KlientInnen mehrere Bereiche angegeben haben. Der Schwerpunkt der erreichten Ziele liegt dabei in Veränderungen der Persönlichkeit (79% aller hier Antwortenden), an zweiter Stelle (39%) stehen Verbesserungen auf der Beziehungsebene v.a. in Partnerschaft und Familie. Dicht gefolgt stehen an dritter Stelle (33% aller hier Antwortenden) explizit Heilungen klinisch-psychiatrischer oder somatischer Störungen.

19% berichten von einer Verbesserung ihres Lebensgefühls, 17 % aller Antwortenden geben an, daß sie ihr Problem (besser) bewältigen können und v.a. ihr emotionales Verhalten geändert haben. Weitere 8% haben mehr Klarheit über die Ursachen ihrer Probleme bekommen und Hilfe bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit erhalten.

Nur in 4 Fällen, von 431 antwortenden Personen das sind 1%, wird ausdrücklich angegeben, daß sich ihre Erwartungen in der Therapie nicht erfüllt haben.

Der Vergleich mit der Frage nach Zielen zu Beginn der Therapie zeigt eine hohe Übereinstimmung zwischen den angestrebten und tatsächlich erreichten Zielen: Die Reihung der ersten beiden Zieldimensionen (Persönlichkeit und Beziehung) ist ident, auch die an dritter Häufigkeitsstelle genannte Verringerung klinischer Symptomatik.

Die offene Frage nach unerfüllten Erwartungen wurde von 30% der Befragten zu Angaben genützt. Ein Teil der Befragten sehr wohl einige, aber nicht a l l e Erwartungen erfüllt sah. 27% der hier Antwortenden (8% der Gesamtstichprobe) wurde die erwünschte Verbesserung ihrer (damaligen) Partnerschaft nicht erfüllt. 20% der hier Antwortenden beziehen sich auf die nicht weitgehend genug vollzogene Hebung ihres Selbstwerts, ihrer Stabilität, ihrer Durchsetzungskraft etc.

3.2. Vorher-Nachher – Vergleich: (Differenzen von Status prae und Status post)

Zu den retrospektiven Prae-Post-Vergleichen bezüglich der Qualität des Befindens in acht Lebensbereichen auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) ist festzustellen :

Auf die Frage nach der körperlichen Gesundheit vor bzw. nach der Gestalttherapie geben insgesamt 78% der Befragten an, ihre Gesundheit sei nach der Psychotherapie sehr gut bis gut, vor der Therapie waren das nur 40%. Von 32% der Stichprobe, die ihre körperliche Gesundheit vor der Therapie als schlecht bzw. sehr schlecht einschätzen, tun dies nach der Therapie nur mehr 4%.

Waren vor Beginn der Therapie keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Zufriedenheit feststellbar, so wird ihr körperlicher Gesundheitszustand nach Ende der Therapie von den zufriedenen KlientInnen signifikant besser beschrieben. Signifikant größer ist auch die Veränderung vom Status prae und Status post: Zufriedene KlientInnen weisen dabei statistisch bedeutsame Verbesserungen im körperlichen Wohlbefinden auf.

Gefragt nach der Einschätzung ihrer seelischen Gesundheit vor bzw. nach der Psychotherapie meinten 72% der KlientInnen, diese sei nach der Psychotherapie sehr gut bis gut; vor der Therapie konnten das nur 4,6% von sich behaupten. Von 85% Menschen, die ihre Gefühlslage vor der Therapie als schlecht bzw. sehr schlecht einschätzen, tun dies nach der Therapie nur mehr etwas über 5%.

Im Bereich des seelischen Wohlbefindens waren vor der Therapie keine signifikanten Unterschiede zwischen zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen feststellbar. Nach Ende der Therapie sind sowohl der aktuelle Zustand als auch die Differenzen aus Status prae und post hoch signifikant, und bei den zufriedenen KlientInnen besser als bei den mit ihrer Gestalttherapie unzufriedenen.

Die Verbesserung durch die Therapie bildet sich durch eine Steigerung der sehr guten oder guten generellen Lebensqualität und Wohlbefinden von 5 Prozent vor der Gestalttherapie auf 73 Prozent nach der Therapie ab. Die zufriedenen KlientInnen dabei geben eine signifikante Verbesserung in Bezug auf ihre Lebensqualität und einen diesbezüglich derzeit höheren Status als die unzufriedenen an.

Während vor dem Beginn der Psychotherapie etwa 25% der KlientInnen sehr gut oder gut mit den Anforderungen ihres Lebensalltags zurecht kommen, sind dies nach Beendigung der Therapie 82%.

Zeigen sich vor Beginn der Therapie keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Zufriedenheit mit der Gestalttherapie, so sind Veränderungen und aktueller Zustand nach Therapieende hoch signifikant. Zufriedene KlientInnen kommen mit den Anforderungen ihres Alltags besser zurecht und geben auch signifikante Verbesserungen bezüglich dieses Parameters bezogen auf den Zeitpunkt vor der Therapie an.

Wie gut geht es Ihnen in Bezug auf Ihren Beruf und die zu erledigenden Pflichten und Arbeiten? Hierbei kommen vor ihrer Gestalttherapie etwa 30% der KlientInnen sehr gut oder gut mit den Anforderungen ihrer beruflichen Pflichten zurecht, nach einer Therapie jedoch 80%.

Vor Beginn der Therapie gibt es zwischen Zufriedenen und Unzufriedenen keine signifikanten Unterschiede. Die Gruppe der zufriedenen KlientInnen erreichte jedoch signifikante Verbesserungen nach der Therapie und beschreibt ihren Zustand in diesem Bereich nach der Therapie signifikant besser als die unzufriedenen.

Vor einer Therapie kommen etwa 25% aller KlientInnen sehr gut oder gut mit ihrem sozialen Umfeld aus, nach einer Therapie sind dies 83%. Vor Beginn der Therapie gibt es bezüglich dieses Parameters zwischen zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen keine signifikanten Unterschiede. Die Gruppe der zufriedenen KlientInnen erreichte jedoch signifikante Verbesserungen nach der Therapie und beschreibt ihren Zustand in diesem Bereich nach der Therapie signifikant besser als die mit der Gestalttherapie unzufriedenen.

Der Umgang mit ihnen nahestehenden Menschen, ihren PartnerInnen und ihrer Familie gelang vor einer Gestalttherapie 20% der KlientInnen sehr gut oder gut, nach der Therapie gaben diese Werte 77% der Antwortenden an. Auch bei dieser Frage sind die Ausgangsdaten bezüglich der Zufriedenheit nicht unterschiedlich, nach Ende der Gestalttherapie zeigen jedoch die zufriedenen KlientInnen statistisch bedeutsame Verbesserungen und einen höheren aktuellen Stand bezüglich dieses Lebensbereiches als die Unzufriedenen.

Die generelle Lebenszufriedenheit steigt von einem Prozentsatz von 14% sehr guter oder guter Lebenszufriedenheit vor der Therapie auf 74% der Antwortenden mit sehr guter oder guter Lebenszufriedenheit nach ihrer Gestaltherapie. Vor Beginn der Therapie waren zufriedene und unzufriedene KlientInnen statistisch nicht zu unterscheiden. Auch beim Parameter der allgemeinen Lebenszufriedenheit verbesserten sich die Werte der Zufriedenen signifikant gegenüber denen der Unzufriedenen.

Somit zeigt sich in verschiedenen relevanten Lebensbereichen für durchschnittlich 50% bis 70% der KlientInnen deine Verbesserung von ihrem Status vor zum Status nach der Therapie.


Prae-Post Differenzen und der Beziehung zum/r TherapeutIn:

Personen die angaben, auch in Krisenzeiten das Gefühl gehabt zu haben, mit dem/der TherapeutIn am selben Strang zu ziehen, verbesserten sich signifikant in allen Lebensbereichen.

Zufriedenheit und Veränderung bei der Beeinträchtigung der Lebensbereiche (Prae/Post Differenz): Zeigen sich vor Beginn der Therapie keine statistisch nachweisbaren Unterschiede hinsichtlich der Beeinträchtigungen durch ihre seelischen Probleme, so sind nach dem Ende der Therapie auch hier signifikante Unterschiede zwischen Zufriedenen und Unzufriedenen feststellbar. Die mit der Gestalttherapie zufriedenen KlientInnen schätzen alle vier Lebensbereiche Partnerschaft, Beruf und Ausbildung, Freizeit und Kontakt zu anderen Menschen nach Beendigung ihrer Therapie besser ein. Die Veränderungen durch die Gestalttherapie bezüglich der wahrgenommenen Beeinträchtigung vor und nach der Therapie sind ebenfalls bei der Mehrzahl der Lebensbereiche (außer bei der Kategorie Kontakt zu anderen Menschen) als signifikant zu betrachten. Zufriedene KlientInnen nehmen ihre Einschränkungen nach der Therapie signifikant häufiger zum positiven verändert wahr als unzufriedene, auch das Maß der positiven Veränderung ist bei ihnen größer.

Insgesamt zeigen die mit der Gestalttherapie zufriedenen KlientInnen eine größere Veränderung vom (retrospektiv beurteilten) Status vor der Therapie zum Status nach der Therapie, v.a. in den Lebensbereichen Partnerschaft, Beruf und Freizeit als die mit ihrer Therapie unzufriedenen.

3.3. Symptom- und andere Veränderungen durch die Therapie, Rückfälle

Von den 13% der Gesamtstichprobe, die angeben, noch nach der Psychotherapie Psychopharmaka eingenommen zu haben, hat der überwiegende Teil der Antwortenden, 53%, diesen Konsum im Jahr nach der Beendigung der Psychotherapie eingestellt. Etwa 10% der Gesamtstichprobe gibt an, zum Zeitpunkt der Befragung (wenn auch nicht permanent) Medikamente zu nehmen.

Ob durch die Psychotherapie ihre ursprüngliche Symptomatik beeinflußt wurde, bejahten 86% der KlientInnen: Dabei gaben 16% an, ihre Symptome seien ganz verschwunden, 35% erfahren sie leichter und seltener bzw. ebensoviele geben an, jetzt mit ihren Symptomen anders umzugehen. Nur bei einer (!) KlientIn haben sich die Symptome verstärkt, und nur bei 4% war keine Veränderung feststellbar.

Die Frage nach Veränderungen in ihrem Leben durch die Gestalttherapie bejahten 88% der Befragten 5,6% der Geamtstichprobe verneinten sie.

Auf die Frage nach der Art der Veränderungen, die in ihrem Leben durch die Gestalttherapie Platz gegriffen hätten, antworten 86% der Gesamtstichprobe: Dabei stehen mit 80% der hier Antwortenden solche von Änderungen der eigenen Person im Vordergrund (Klarheit, Durchsetzung, Selbstvertrauen und Selbstwert etc.), gefolgt von 43%, die Verbesserungen im sozialen, v.a. partnerschaftlichen Beziehungen konstatieren. 29% der Antwortenden haben neue Energien und Lebenslust. 16% stellen hier ausdrücklich eine Verbesserung ihrer vorigen klinischen Symptomatik fest. 9% der Antwortenden erfahren dabei die Heilung von einer klinisch-psychiatrischen Störung, 4% eines körperlichen Leidens. 5% erfuhren eine berufliche Verbesserung, die sie auf die therapeutische Behandlung zurückführten, ebensoviele geben an, jetzt mit ihren Gefühlen besser umgehen zu können. 8% machen allgemein positive Äußerungen über ihre Therapie, ohne auf konkrete Änderungen einzugehen.

Veränderungen durch die Therapie und Zufriedenheit: In der Beantwortung dieser offenen (inhaltsanalytisch kategorisierten) Frage gibt es hoch signifikante Unterschiede zwischen zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen: Während 93% der Zufriedenen angaben, daß sich durch die Therapie in ihrem Leben etwas verändert habe, beträgt dieser Prozentanteil bei den Unzufriedenen nur 51%.

In der Einschätzung von therapiebedingten Veränderungen (1= sehr große Besserung bis 5 = sehr große Verschlechterung) zeigten sich bezüglich der

- Probleme und Symptome, die Anlaß zur Therapie waren, bei 31% der KlientInnen eine sehr starke und bei 42 % eine mittlere Verbesserung. Nur 5% geben an, daß sich ihre Symptomatik verschlechtert habe (Note 4 und 5).

- Ihre Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben sich bei 18% sehr stark und bei 52% prinzipiell gebessert, nur 2,7% der KlientInnen geben an, diese hätte sich verschlechtert (Note 4 und 5).

- Ihre Beziehung zu ihren Angehörigen hat sich durch die Gestalttherapie 18.3 % sehr stark, bei 48 % gut (Noten 1 und 2) gebessert, bei insgesamt 4% der KlientInnen aber verschlechtert (Noten 4 und 5).

- Die berufliche Leistungsfähigkeit geben 19% der KlientInnen als sehr stark, 38% als gut gebessert an; 9,5 % erleben sie verschlechtert (Noten 4 und 5).

- Ihre Freude am Leben hat bei 34% der KlientInnen stark , bei 42% der KlientInnen ziemlich zugenommen, 4,3 % erleben sie als verschlechtert (Noten 4 und 5).

- Ihre Einsicht in seelische Zusammenhänge erhöhte sich bei 44% sehr stark, ziemlich bei 39 % der KlientInnen; 2,4% der Befragten gaben sie als verschlechtert an (Noten 4 und 5).

- Ihre Selbstachtung und Selbstvertrauen hatten sich bei 34% sehr stark, bei 44% ziemlich verbessert; 5,1% der KlientInnen gaben diese Parameter als verschlechtert (Noten 4 und 5) an.

- Ihre Tiefs und Leidenszustände wurden bei 28% der KlientInnen sehr stark, bei 46% ziemlich gebessert. Eine Verschlechterung ihres Leidens (Noten 4 und 5) erfuhren insgesamt 5,6% der KlientInnen.

- Das Verhalten bei Konflikten und Problemen gaben 18 % als sehr stark, 53 % als ziemlich gebessert an; nur 6,1% der KlientInnen erlebten ihr diesbezügliches Verhalten verschlechtert.

Ihre Zukunftssicht hat sich bei 22% der KlientInnen stark und bei 50% ziemlich gebessert. 6,1% geben allerdings eine diesbezügliche Verschlechterung (Noten 4 und 5) an.

Zufriedenheit und Ausmaß der Veränderung durch die Gestalttherapie: Bei allen zehn vorformulierten Items in dieser Frage (siehe oben) zeigen die zufriedenen KlientInnen ein hochsignifikant größeres Ausmaß an positiver Veränderung im jeweiligen Lebensaspekt als die unzufriedenen KlientInnen. Dieses Ergebnis stimmt mit den anderen Angaben über wahrgenommene Veränderungen und Prae-Post Differenzen in ähnlichen Lebensbereichen durch die Therapie überein und bestätigt so auch die innere Koherenz der Angaben in dieser Studie.

Die Frage, ob sie seit Beendigung der Gestalttherapie Rückfälle erlitten hätten, beantworten 59% der Gesamtstichprobe mit ja.

Auf die Frage nach der Häufigkeit ihrer Rückfälle seit Therapieende antworten 42% aller Befragten, also nicht alle jene, die überhaupt angaben Rückfälle zu haben. Von diesen Antworten können etwa 60%, das sind 13% der Gesamtheit der Befragten einer Kategorie von seltenen, geringen Rückfällen zugeordnet werden. 28% das sind etwa 8% der Gesamtstichprobe berichten von häufigeren Rezidativa, die restlichen Antworten bestätigen nur zeitlich vage das Vorhandensein von Rückfällen.

Ihren Umgang mit Rückfällen beschreiben 86% der hier Antwortenden als kreativ: Die häufigste Strategie (26% der Nennungen) dabei ist jene, den Rückfall einfach gelassen hinzunehmen und abzuwarten, ohne sich zu ängstigen. Fast ebensovielen glückt der explizit genannte Transfer von in der Therapie Gelerntem und Erkannten als Gegenstrategie zu alten Mustern. Ähnlich stark vertreten sind Nennungen eines aktiven und rationalen Umgangs mit ihren Rückschlägen. Sodann folgt ein Hilfesuchen im Freundes- und Familienkreis (21%). 9% der hier Antwortenden versuchen mit Entspannungstechniken und Sich-Verwöhnen einem Rückfall gegenzusteuern. Einen auf Vorsicht und Vermeidung bzw. Medikamenteneinnahme aufgebauten Umgang mit Rückfällen geben insgesamt 8% der Antwortenden an.

10% sehen kaum eine/keine Besserung im Vergleich zu vor der Therapie. Nur 5% der Gesamtstichprobe äußern sich in dieser Frage unzufrieden über ihren Umgang mit Rückfällen.

9% der Antwortenden geben an, eine neue Therapie begonnen, bzw. die alte wiederaufgenommen zu haben. Insgesamt macht die Analyse dieser Frage den Eindruck, als ob für einen Teil der KlientInnen Rückfälle in alte Problematiken zwar nicht verhindert werden können, deren Umgang mit diesen ist jedoch in der Gestalttherapie (vorbeugend) geschult worden, daß Rezidativa zwar unangenehm empfunden werden, aber keine echte Bedrohung der seelischen Stabilität mehr darstellen.

Diagnosegruppen und Rückfälle: Ausgehend von der Häufung eher mit ihrer Gestalttherapie unzufriedenen KlientInnen bei den Diagnosegruppen "Phobien und Zwänge" sowie "Depressionen", kann gezeigt werden, daß Personen die Phobien bzw. Zwänge als ihre Beschwerden zu Beginn der Therapie angaben, signifikant öfter Rückfälle erleiden: Rund 81% aller Patienten mit Phobien oder Zwängen leiden an Rückfällen, während es bei allen andern Symptomen zusammen nur ca. 56% sind.

Auch bei den an depressiven Symptomen Leidenden konnte nachgewiesen werden, daß ihr Anteil in der Gruppe mit Rückfällen überrepräsentiert ist. Menschen mit depressiven Symptomen geben zu rund 65% Rückfälle an, bei allen anderen Symptomgruppen sind es nur durchschnittlich 53%.

Symptomverschiebungen und neu auftretende gravierende Probleme geben nur 15% der Befragten an, bei 85 % der Antwortenden ist dies nicht der Fall.

6% der Gesamtstichprobe haben dabei körperliche Erkrankungen, 4% der Gesamtstichprobe klagen über neu aufgetretene klinisch-psychologische Störungen. Diese Zahlen sprechen für einen stabilen Behandlungserfolg der Gestalttherapie.

Veränderungen in der Auftretenshäufigkeit von Symptomen (Prae/Post Differenz): Für die gesamte Stichprobe gesehen kann von einem signifikanten Rückgang der Symptome nach der Therapie ausgegangen werden (nur 7 Personen geben eine Verschlechterung, 34 eine gleichbleibende Symptomatik aber 325 eine mehr oder minder starke Verbesserung durch die Gestalttherapie an).

3.4. Umfeldhinweise auf Veränderungen durch die Gestaltherapie

77 % der Befragten gaben an, andere Menschen hätten nach der Gestalttherapie eine Veränderung an ihnen bemerkt. Auf die Frage, wer Veränderungen bemerkt hätte wurden in erster Linie FreundInnen (60%), sodann PartnerInnen (48%) und Familienangehörige (39%) angekreuzt. Der Aufforderung, die diesbezüglichen Rückmeldungen in einer offenen Frage wiederzugeben, folgten 50% der Stichprobe.

Die wiedergegebenen Inhalte der Rückmeldungen sind fast durchgehend positiv und beziehen sich ziemlich einheitlich auf Kommentare zu Veränderungen in der Persönlichkeit und im Lebensgefühl der Befragten.

Werden in der Gruppe der zufriedenen KlientInnen bei 83,7% positive Veränderungen wahrgenommen, so sind es bei den Unzufriedenen nur 38,9%. Somit spiegelt und bestätigt sich die von den Befragten konstatierte Veränderung durch die Psychotherapie auch durch die Rückmeldungen ihres sozialen Umfelds.

Die Frage nach weiteren Psychotherapien seit Abschluß ihrer Gestalttherapie bejahten etwa 22% der Befragten. Warum sie eine neuerliche Psychotherapie in Anspruch genommen hätten, beantworteten im offenen Teil der Frage alle jene, die dies angegeben hatten. 38% aller dieser Antwortenden (das sind 9% der Gesamtsstichprobe) sehen sich dazu durch ein neu/wieder auftauchendes persönliches Problem veranlaßt. Das heißt auch, daß sie Psychotherapie als eine zur Problembewältigung sinnvolle Möglichkeit erfahren haben und bei neuer Symptomatik auf dieses Mittel zurückgreifen; so wie etwa ein Arzt nach einer erfolgreichen Behandlung bei neuerlicher körperlicher Krankheit ebenfalls wieder aufgesucht wird. 31% aller Antwortenden (d.s. 7% der Gesamtstichprobe) wechseln dabei zu einem anderen Setting (Geschlecht des/der TherapeutIn, Gruppe/Einzel), was zumeist ebenfalls in Absprache mit dem behandelnden Therapeuten/in bzw. auf deren Anregung und Empfehlung hin geschieht.

Signifikante Unterschiede bezüglich der Zufriedenheit mit der Gestalttherapie finden sich auch bei diesem Item: 34% der mit ihrer Gestalttherapie Unzufriedenen haben eine neue Psychotherapie begonnen. Dieser Anteil liegt bei den Zufrieden nur bei 19,9%. Interessant ist dabei, daß auch solche Menschen, die mit ihrer Gestalttherapie unzufrieden sind, zu einem Drittel neue Psychotherapien beginnen - die Enttäuschung läßt sie offenbar nicht diesen Weg der Veränderung prinzipiell verwerfen.

Zur Frage, ob sie nach ihrer Psychotherapie psychosoziale Hilfe bzw. professionelle Beratung in Anspruch genommen hätten, äußerten sich das sind 12% aller Befragten, halb soviele wie bei der Inanspruchnahme weiterer Psychotherapien, mit ja.

97% der Gesamtstichprobe geben an, seit dem Ende der Gestalttherapie mit wichtigen Lebensereignissen (life-events) konfrontiert worden zu sein. Dabei geben je ca. 20% an, eine Partnerschaft beendet bzw. eine neue begründet zu haben und 10% haben Kinder bekommen. 45 % sind umgezogen, 29 % haben ihren Arbeitsplatz gewechselt (davon nur 10% in ein schlechteres Arbeitsverhältnis); 4% sind arbeitslos geworden und 3% in Frühpension gegangen, 30% haben eine Ausbildung begonnen bzw. abschließen können und 18 % sind schwerer körperlich krank geworden.

Auf die offene Kategorie "Sonstige wichtige Ereignisse" antworteten weitere 101 KlientInnen. Bei der inhaltlichen Kategorisierung zeigten sich wenig neue Informationen außerhalb der schon vorgegebenen: Das Gros der Nennungen (44% der hier Antwortenden) gibt familiäre Veränderungen, hauptsächlich im Bereich einer bestehenden Partnerschaft an, weiters Auszug der Kinder und Geburt von Enkeln, Tod naher Angehöriger oder finanzielle Veränderungen. Schon in den statistisch erfassten Kategorien, aber hier explizit von einigen nochmals genannt sind mit 18% aller Antwortenden berufliche Veränderungen, 9% haben Ausbildungen begonnen bzw. abgeschlossen. Anzumerken ist dabei, daß die Ereignisse von überwiegend erfreulicher Qualitäten beschrieben werden. 8% der Antwortenden klagen über körperlich-gesundheitliche Probleme. Je 7% der Antwortenden gaben noch weitere erfreuliche Änderungen ihrer inneren bzw. äußeren Lebensumstände an.

Zufriedenheit und Auftreten von Life-events: Bei den Lebensereignissen "Kinder bekommen", "eine Ausbildung abgebrochen" "Veränderung des Arbeitsplatzes" und "Veränderung der Wohnqualität" sind signifikante Unterschiede zwischen mit der Gestalttherapie Zufriedenen und Unzufriedenen aufgetreten.

Während von den Unzufriedenen nur 1,9% Nachwuchs bekamen, beträgt dieser Prozentanteil bei den Zufriedenen doch immerhin 11,2%. Haben bei den unzufriedenen Befragten 5,8% eine Ausbildung abgebrochen, so waren daß bei den zufriedenen nur 0,8%.

Beträgt der Anteil bei den zufriedenen KlientInnen, die eine neuen Arbeitsplatz in einer besseren Position gefunden haben 68%, so liegt dieser Anteil bei den Unzufriedenen nur bei 44%. Umgekehrt verhält es sich bei der Annahme eines Jobs in einer schlechteren Position: 33,3% aller mit ihrer Gestalttherapie unzufriedenen KlientInnen, die einen neuen Arbeitsplatz angenommen haben, befinden sich nun in einer schlechteren Position. Bei den Zufriedenen liegt dieser Anteil bei nur 5,9%.

Signifikante Unterschiede zwischen Zufriedenen und Unzufrieden treten auch bei jenen Befragten auf, die einen Wohnungswechsel vollzogen haben. Haben 26% der Unzufriedenen, die einen Wohnungswechsel durchführten, eine Wohnung mit schlechterer Qualität gefunden, so beträgt der entsprechende Anteil bei den mit ihrer Gestalttherapie zufriedenen KlientInnen nur 7,5%.

Mit der Gestalttherapie zufriedene KlientInnen geben überzufällig häufiger als unzufriedene positive Änderungen in ihrem Leben an: Sie wechseln zu besseren Arbeitsplätzen und Wohnungen, bekommen häufiger Kinder und brechen mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine Ausbildung ab, als die Gruppe der Unzufriedenen.

Diese überaus wichtige Ergebnis kann im Sinne eines "Greifens" der Veränderungen durch die Therapie im Sinne einer Lebensverbesserung interpretiert werden, in der nicht nur Symptome reduziert, sondern Lebensverhältnisse zum besseren geändert werden.


Vollständige Studie zum Download (pdf)

Dr. Brigitte Schigl (Wien, Krems), Klinische- und Gesundheitspsychologin, Integrative Gestalttherapeutin (ÖAGG), Supervisorin, in freier Praxis, Univ. Lektorin, (Universität Graz, Donauuniversität), Leitung und Durchführung von wissenschaftlichen Forschungsprojekten (Psychotherapie,-Evaluationsforschung).

Kontakt: brigitte.schigl@aon.at