Vollständige Studie zum
Download (pdf)
Das Alter der KlientInnen, die an der Befragung teilnahmen, reichte von 18 Jahren bis 76 Jahren. Die Alterskurve der Antwortenden erreicht ihre höchste Ausprägung in der Alterskategorie von 30 bis 40 Jahren (ca. 40% der Gesamtstichprobe). Die 20 - 30`Jährigen sowie die 41- 50 `Jährigen machen je 20% der Gesamtstichprobe aus. Von den Antwortenden waren ca. zwei Drittel Frauen (71%) und (29%) Männer und wohnen sowohl in der Großstadt wie in Kleinstädten oder am Land. 71% standen im Erwerbsleben 15 % waren in Ausbildung, 5% in Pension.
Der überwiegende Teil der Befragten (52%) kommt durch mit
Empfehlungen
aus dem privaten Umfeld zur Therapie, zu 41% waren es Eigeninteresse
und -information, ein geringerer Prozentsatz (19%) der Befragten kommt
auf Empfehlung aus dem medizinischen Bereich.
Was passiert vor dem Entschluß zur Psychotherapie: Die Mehrzahl (81%)
der KlientInnen versuchte die vor Beginn der Gestalttherapie mit
anderer Hilfe ihr Problem zu lösen 79% aller hier antwortenden Personen
haben insgesamt jahrelang versucht, alleine oder mit Hilfe von anderen
mit ihrer Situation fertig zu werden. Vor allem bei den Symptomgruppen
"Alkohol/Drogen", "Eßstörungen" und "Depression ohne somatische
Probleme" wurde schon über einen längeren Zeitraum versucht, das
Problem mit nicht-psychotherapeutischer Hilfe zu lösen.
Insgesamt finden die KlientInnen nach ihrer Entscheidung eine
Psychotherapie zu beginnen eher schnell einen Therapieplatz, nicht
einmal ein Fünftel von ihnen wählt zwischen mehreren TherapeutInnen aus.
Wer vermutet, seine psychotherapeutische Behandlung eher
geheimhalten
zu müssen, ist mit dem Ergebnis dieser im nachhinein eher weniger
zufrieden.
77% waren in Einzeltherapie, 11% in Gruppentherapie und 10 % der
Gesamtstichprobe in gestalttherapeutischer Paartherapie. 94 % wurden in
einer Privatpraxis behandelt.
Insgesamt wird die Abwicklung und Höhe des Krankenkassen-Zuschusses von
den KlientInnen sehr kritisch gesehen, wenn auch die Tatsache, daß es
ihn überhaupt gibt, begrüßt.
Die Gestalttherapie dauerte im Durchschnitt 70 Wochen, (das entspricht
etwa eineinhalb Behandlungsjahren). 25 % der Befragten waren weniger
als 30 Wochen in Behandlung, für 25% der Befragten betrug der Zeitraum
der Behandlung über 104 Wochen (etwa zweieinhalb Behandlungsjahre). Die
Mehrzahl (70%) hatte eine wöchentliche Sitzung, die dann auf 14-tägig
bis zu einmal monatlich verringert wird. Auch längere Sitzungspausen,
oder Wochenendgruppen sind möglich.
Fast alle KlientInnen (410 = 95%) antworteten auf die Frage nach
einer
eigenen Darstellung ihrer Probleme zu Beginn der Therapie, wobei
einzelne dabei bis zu 8 verschiedene Leidensaspekte beschrieben. An
erster Stelle der Beschwerden stehen mit 411 Nennungen klinische
Störungen, v.a. Depressionen und Ängste (je 35% der Gesamtstichprobe).
An zweiter Stelle der Nennungen stehen bei mehr als der Hälfte der
Antworten mit klinischen Störungen einhergehende Probleme im sozialen
Umfeld, Partnerschaft und Familie bzw. wird dazu Isolation genannt. 9%
geben dabei auch Probleme im Berufsleben an.
Nach den sozialen Beeinträchtigungen folgt an 3. Häufigkeitsstelle der
Nennungen eine Kategorie, die mit Persönlichkeitsproblemen zu
umschreiben ist (55% aller Antwortenden): Dabei stehen
Selbstwertprobleme, Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen,
mangelnde Durchsetzungsfähigkeit, innere Unruhe und Ziellosigkeit etc.
im Vordergrund.
44% der Antwortenden nennen als vierte Großkategorie körperliche
Probleme und (psycho)somatische Erkrankungen: An erster Stelle stehen
dabei Probleme des Gastro-intestinaltrakts, gefolgt von Migräne und
Herzbeschwerden. Einige Nennungen beziehen sich auf unspezifische
vegetative Symptome wie Zittern, Schwitzen, Übelkeit etc.
Störungen der Befindlichkeit waren in 26% aller Antworten enthalten.
Als herausragend zeigt sich die Klage über mangelnde Lebensfreude,
innere Zerrissenheit und Resignation. 13% aller Antworten beinhaltenden
auch Störungen der Aktivierung (Antriebslosigkeit, Müdigkeit..).
Die Symptomatik klinischer Störungen wird somit in der Wahrnehmung der
antwortenden KlientInnen als große, aber nur eine Dimension ihrer
Belastung gesehen, auf die soziale und Selbstwertproblematik sowie
körperliche Beschwerden und vielfältige Begleiterscheinungen wird
ebenso detailliert eingegangen - bzw. was jeweils rückblickend am
belastendsten erlebt wurde, wurde an erster Stelle genannt. Weiters ist
diese Antwort ein Indiz dafür, daß Menschen ihre (seelischen)
Leidenszustände ganzheitlich und in vielen Aspekten wahrnehmen und eine
monosymptomatische Beeinträchtigung im Erleben der KlientInnen
praktisch nicht vorkommt.
Die Befragten kreuzten sodann folgende vorgegebenen Problembereiche an,
zu deren Behandlung sie die Psychotherapie in Anspruch nahmen
(Mehrfachnennungen waren möglich):
66 Prozent fühlten sich niedergeschlagen, ängstlich
und traurig,
52 Prozent litten unter Depressionen,
48 Prozent nannten Paar- oder Sexualprobleme,
40 Prozent erlebten Angstzustände und 14 Prozent
hatten Panikattacken,
27 Prozent hatten Probleme mit Kindern und
Familienmitgliedern,
20 Prozent gaben Probleme am Arbeitsplatz an,
15 Prozent hatten Tauerreaktionen,
15 Prozent wiesen Eßstörungen auf,
11 Prozent nannten Alkohol- und Drogenprobleme.
Die Auftretenshäufigkeit der Symptome, die Anlaß für die
psychotherapeutische Behandlung war hoch: Über ständige, tägliche bis
wöchentliche Beschwerden klagten retrospektiv (kumulierte) 83% der
Stichprobe.
63% der KlientInnen schätzen ihre seelische Ausgangslage vor Beginn der
Therapie als sehr negativ ein (Schulnotenskala 4 oder 5). Schwere oder
leichtere Symptomatik zu Beginn der Therapie ist dabei aber kein Indiz
für spätere Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Behandlung.
Gestalttherapie kann sowohl bei leichterer als auch schwerer
Symptomatik gleich hilfreich sein.
Was erwarten sich KlientInnen von ihrer Behandlung:
Die offene Frage nach Zielen und Erwartungen an die Gestalttherapie zu
deren Beginn beantworteten etwa 98% der Befragten. An erster Stelle
(53% aller Antworten) steht die Dimension der
Persönlichkeitsveränderung mit Selbstwertzunahme, der Wunsch mehr
Selbstvertrauen und Ruhe zu gewinnen, gefolgt von 35% Zielen, die mit
sozialen Beziehungen, allen voran partnerschaftlichen, zu tun haben.
30% aller Antwortenden erwarten sich eine Verbesserung in Bezug auf
ihre Lebensfreude und ihr Vitalgefühl. Erst an vierter Stelle stehen
mit 22% der Antwortenden eine Kategorie, die sich allein auf die
Verbesserung klinisch-psychiatrischer Störungen bezieht; Für 14 % der
Befragten ist die Linderung körperlicher Symptomatiken vorrangiges
Bedürfnis. Je 13% der Antwortenden beziehen sich auf den Erhalt von
Hilfe oder die Lösung von konkreten Lebensproblemen.
Die Reihung des Wunsches nach bloßer Reduktion klinischer Symptomatiken
erst an vierter Häufigkeitsstelle der Nennungen deutet auf ein
ganzheitliches, mehrdimensionales Wahrnehmen ihres Leidenszustandes
durch die BeantworterInnen hin.
Was gab es Hilfreiches außerhalb der Therapie, andere Faktoren in Ihrer
Umwelt, die Veränderungen bewirkten? Hier findet sich die größte
Unterstützung in Freundschaften (25% aller hier Antwortenden), sodann
in bestehenden Partnerschaften (13% aller hier Antwortenden) und der
Familie (11%).
An zweiter Häufigkeitsstelle der unterstützenden Faktoren werden -
allerdings mit großem numerischen Abstand (18%) - Ausbildung und Beruf
genannt, gefolgt von persönlichen (Freizeit)interessen und Tätigkeiten
(15% aller Antwortenden) darunter auch spirituelle Hilfe. Jeweils ca.
7% der hier Antwortenden finden Hilfe und Entlastung in dem Bemühen um
gesündere Lebensweise oder betonen explizit ihre eigenen Leistungen bei
der Verbesserung ihrer Situation. Ebenfalls 7% haben sich auch in
anderen professionellen Zusammenhängen Unterstützung geholt (andere
Therapie, Selbsterfahrungs-, Selbsthilfegruppen).
5% geben an, daß außerhalb der Therapie keine hilfreichen Aspekte zu
finden waren, manche (2% aller Antwortenden) konstatieren dezitiert
eine Verschlechterung durch ihre Umfeldsituation.
Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen der mit ihrer
Gestalttherapie zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen konnten hier
nicht festgestellt werden. Veränderungen sind folglich therapieimmanent
und nicht durch unterschiedliche äußere Unterstützungen bei zufriedenen
und unzufriedenen KlientInnen bewirkt.
Insgesamt zeigen sich bei den Erhebungen zum Status vor Beginn der
Therapie und zum Kontext der KlientInnen kaum/keine Unterschiede
zwischen mit der Gestalttherapie zufriedenen und unzufriedenen
KlientInnen. Die nachträgliche Zufriedenheit mit ihrer Therapie hängt
nicht mit dem Ausgangsstatus der KlientInnen wie Schwere und Art der
Symptome oder Unterstützung aus deren Umfeld zusammen. Wie kritisch
urteilten die KlientInnen:
Wie kritisch urteilten die Befragten: ("Kritikfähigkeitsfaktor"): Wir
wollten prüfen, ob die Gestaltpsychotherapie - aufgrund der vielen
zufriedenen Antwortenden, als nur positiv gesehen wird. Dabei zeigt
sich, daß überzufällig viele Befragte sowohl bezüglich positiver als
auch negativer Aspekte der Therapie antworteten. Die hier gefundene
Signifikanz weißt darauf hin, daß die ehemaligen KlientInnen ihre
Gestalttherapie im nachhinein (auch wenn sie zufrieden mit ihr waren)
in ihren positiven und negativen Aspekten wiedergeben, und sie nicht
einseitig glorifizierend oder verdammend sehen.
57 % der Stichprobe waren bei einer Frau, 37 % bei einem Mann und 5%
bei einem Therapeutenpaar in gestaltpsychotherapeutischer Behandlung.
Bezüglich des Alters ihrer BehandlerInnen gaben 50 % der
BeantworterInnen an, bei einem/r Therapeuten/in zwischen 40 bis 49
Jahren, 41% bei einem/r Therapeuten/in unter 40 Jahren, 7% bei einem/r
Therapeuten/in zwischen 50 und 59 Jahren, und 1% bei einem/r
Therapeuten/in von über 60 Jahren in Behandlung gewesen zu sein.
Hinsichtlich der Korrelation von Zufriedenheit mit der Therapie und
Alter oder Geschlecht der BehandlerInnen ergeben sich keine
signifikanten Ergebnisse. Ob ein Klient/eine Klientin bei einem Mann
oder einer Frau in Therapie ist bzw. wie alt die behandelnde Person
ist, macht jeweils für sich allein keinen Unterschied in den
Auswirkungen auf die Zufriedenheit mit der Gestalttherapie.
Wahrgenommenes Verhalten des/der Therapeuten/in und Zufriedenheit:
Gänzlich unterschiedlich nahmen zufriedene und unzufriedene KlientInnen
ihren/e Therapeuten/in wahr. Von den zehn unterschiedlichen
Verhaltensbeschreibungen des/der Therapeuten/in sind alle signifikant:
Zufriedene KlientInnen nehmen ihre TherapeutInnen als unterstützend,
partnerschaftlich, vertrauenswürdig, verständnisvoll wahr, während
unzufriedene das Verhalten ihres/ihrer Therapeuten/in als eher
verurteilend, herablassend, sehr am Geldverdienen interessiert oder zu
sehr auf Kindheitsproblemen konzentriert und zuwenig an der aktuellen
Problematik interessiert wiedergeben. Die Zufriedenheit mit der
Therapie und das Verhalten der TherapeutInnen (aus Sicht der
KlientInnen) hängen eng zusammen.
Als Wirkfaktoren im Therapieprozeß werden an erster Stelle von 79%
der
hierzu Antwortenden (d.s. 65% der Gesamtstichprobe) Eigenschaften und
Fähigkeiten des/der TherapeutIn angegeben. Ausführliche Nennungen zu
deren Einfühlsamkeit, Wärme, Geduld, Hilfe, Empathie, Geduld, des
Vertrauens in deren Kompetenz und Wissen etc. finden sich in den
Fragebögen. Die zweithöchte Nennungskategorie (51% aller Antwortenden)
ist diejenige der "Integrativ-gestalttherapeutischen Methoden und
Techniken" mit Beispielen von Rollenspiel und Hot Seat (16% aller
Antwortenden) oder kreativen Medien wie Zeichnen (15%) sowie
Awareness-Übungen. An dritter Häufigkeitsstelle (33%) der Wirkfaktoren
reihen die Befragten allgemeine unspezifische therapeutische Haltungen
und Methoden wie Akzeptanz, Ermutigung, Selbstreflexions- und
Selbstwertförderung etc. 15% führen dabei auch einfach "Gespräche" an.
Als nächstgrößte Kategorie zeigt sich mit 17% die Dimension der
gezielten Auseinandersetzung mit Emotionen, vor allem die Unterstützung
beim Zulassen unbequemer Gefühle wie Angst oder Wut wird genannt. 10%
erwähnen positive Gruppenerfahrungen, mit je 4-5% rangieren
allgemeinere Beschreibungen wie Auseinandersetzung mit der persönlichen
Vergangenheit, mit Familienbeziehungen, Problembewältigung etc.. Etwa
3% stellen fest, daß eine Änderung hauptsächlich durch ihr eigenes
Zutun eingetreten sei.
Aus diesen Antworten geht hervor, daß in Übereinstimmung mit anderen
Untersuchungen der positive Rapport zum/r TherapeutIn das wesentlichste
Veränderungsagens der Psychotherapie ist, in der Literatur als
unspezifischen Wirkfaktor bezeichnet. Als spezifischer Wirkfaktor
folgen integrativ-gestalttherapeutische Methoden und Techniken an
zweiter Stelle der Häufigkeit der Nennungen von Wirkfaktoren, wobei
sich hier eine hohe Wahrnehmung und Unterscheidung einzelner
integrativ-gestalttherapeutischer Spezifika noch vor allgemeinen, nicht
schulenspezifischen therapeutischen Methoden und Haltungen abzeichnet.
Die mit der Therapie zufriedenen KlientInnen geben als wirksam
empfundene Therapiefaktoren signifikant öfter als die Unzufriedenen die
Elemente "Integrativ-Gestalttherapeutische Methoden", "(positive)
Eigenschaften und Fähigkeiten des/der TherapeutIn" und "Gespräche" an.
Auf die Frage nach besonders positiven Elementen im Therapieprozeß
antworten 71% aller Befragten. 73% aller dieser Angaben machen
Rückmeldungen bezüglich der Interaktion mit dem/der TherapeutIn aus.
Dabei werden wieder vor allem Aspekte der geglückten therapeutischen
Beziehung genannt (Wärme und Freundlichkeit, Geborgenheit, Komptetenz,
Ernstgenommen werden, Empathie, Ehrlichkeit, Unterstützung, Zuhören etc.
An zweiter Stelle (16% der Antwortenden) stehen damit zusammenhängende
allgemein persönlichkeitsfördernde therapeutische Maßnahmen wie
Entwicklung von Durchsetzungsstrategien, Selbstreflexion,
Selbstwertstärkung etc.
An dritter Stelle wird von 12 % aller Antwortenden die Unterstützung
bei der Bearbeitung von emotionalen Problemen als besonders positiv
beschrieben. 11% der Antwortenden loben explizit
integrativ-gestalttherapeutische Techniken und kreative Methoden bzw.
Medien. 7% aller KlientInnen haben durch das Gruppensetting besonders
Erfreuliches erlebt. Weiters finden sich, allerdings in geringen Ausmaß
(unter 4%), Kategorien ähnlich wie in der Frage nach den Wirkfaktoren
(besonders hilfreichen Therapieelementen, siehe oben):
Auseinandersetzung mit dem sozialen Umfeld, Bearbeitung der
persönlichen Vergangenheit, eine gezielte Problembearbeitung, Körper-
und Entspannungsübungen, die Therapieräumlichkeiten und Settingelemente.
Bei den mit der Gestalttherapie zufriedenen KlientInnen werden deren
Eigenschaften und Fähigkeiten der BehandlerInnen als besonders positiv
herausragende Elemente des therapeutischen Prozesses beschrieben.
Kritische Äußerungen zu ihrer Gestaltpsychotherapie machten 60%
aller
KlientInnen, also auch viele der mit der Therapie zufriedenen.
Signifikante Unterschiede ergaben sich dabei bei den Kategorien 1)
"Kritik an Therapeuten/in": Rund 35 % der unzufriedenen KlientInnen
äußern sich in dieser Kategorie, jedoch nur 5% der Zufriedenen. 20 %
der Unzufriedenen äußerten auch 2) Kritik an den Methoden (was nur 7%
der zufriedenen KlientInnen taten) und 13% der Unzufriedenen
kritisierten 3) ihr eigenes Verhalten in der Therapie; bei den
zufriedenen KlientInnen taten letzteres nur 4%. Keine einzige Person
aber aus der Gruppe der Unzufriedenen, die Kritik an der Person des/der
TherapeutIn übten, äußerte sich auch kritisch über ihr eigenes
Verhalten. Nicht, daß überhaupt Kritik an der Therapie geäußert wird,
macht den Unterschied zwischen mit der Gestalttherapie zufriedenen und
unzufriedenen KlientInnen aus, sondern in welchen Bereichen diese
ansetzt: TherapeutIn und KlientIn bzw. deren Beziehung steht bei den
Unzufriedenen im Mittelpunkt der Kritik.
Wie verhalten sich die KlientInnen: Signifikante Unterschiede sind
zwischen mit der Gestalttherapie Zufriedenen und Unzufriedenen bei der
Zustimmung zur Antwortkategorie "Ich versuchte so offen und aus mir
herausgehend wie möglich zu sein" festzustellen: Unzufriedene
KlientInnen stimmen dieser Formulierung weniger häufig zu als
zufriedene.
Auch bezüglich der Formulierung "Ich war unwillig, für mich
schmerzliche Dinge preiszugeben" zeigen sich signifikante Unterschiede
zwischen zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen. Signifikant weniger
Zustimmung äußerten die Unzufriedenen auch bei der Formulierung "Ich
habe Hausaufgaben gemacht, die mir helfen sollten an meinen Problemen
zu arbeiten"; sie arbeiteten weniger oder nicht im Sinne einer
alleinigen aktiven Beschäftigung und Weiterführung von Therapieaspekten
für sich und geben eine geringere "compliance" an. Dies zeigt, wie sehr
die Bereitschaft zur Offenheit auch bei schwierigen Themen abhängig von
der therapeutischen Beziehung ist und sich diese Offenheit in der
Beziehung positiv auf die Zufriedenheit mit dem Therapieprozeß auswirkt.
Je positiver (Gesamtfaktor aus unterstützend, vertrauenswürdig,
einsichtig in Probleme, beteiligt, gleichberechtigt...) der/die
TherapeutIn gesehen wird, desto mehr gingen die KlientInnen aus sich
heraus, desto weniger waren sie unwillig auch schmerzliche Dinge
preiszugeben, umso mehr konnten sie auch negative Gefühle dem/der
TherapeutIn gegenüber diskutieren und umso mehr machten sie auch
"Hausaufgaben", die helfen sollten ihre Probleme zu meistern.
Bei der Mehrzahl der KlientInnen war eine genügende Besserung der
Beschwerden die Ursache der Beendigung der Therapie. Fast ein Viertel
der Befragten gibt als (Mit)grund für eine Therapiebeendigung auch die
finanziellen Kosten an. 12% aller Antwortenden führten eine andere
Psychotherapie weiter; sie wechselten zu einem/r Therapeutin anderen
Geschlechts, einer anderen Schule, oder in Gruppen- bzw. Einzelsetting.
Insgesamt 87 Prozent der Antwortenden waren mit der Gestalttherapie
völlig bis recht zufrieden.
Die sich zufrieden mit der Gestalttherapie darstellenden KlientInnen
sind von ihren soziografischen Daten her besehen, überzufällig häufig
Frauen, die in einer Partnerschaft oder Familie leben. Männer und
Alleinlebende sind tendenziell eher unzufrieden mit ihrer
Psychotherapie. Alter, Schulbildung und ob Stadt- oder LandbewohnerIn
haben keinen Zusammenhang mit der retrospektiven Zufriedenheit mit der
Therapie.
Die Frage, ob sie ihre Ziele der Therapie erreicht hätte, bejahte
ein
Großteil der Befragten: 63 kumulierte Prozent gaben an, ihr
Therapieziel zur Gänze oder zum größten Teil erreicht zu haben. (Ja,
gänzlich: 14%. Ja, größtenteils: 49%. Ja, etwas: 25%. Nur wenig: 8,5%.
Gar nicht: 2,1%).
Betrachtet man die inhaltlichen Nennungen auf diese Frage im Detail, so
zeigt sich, daß alle hier antwortenden KlientInnen mehrere Bereiche
angegeben haben. Der Schwerpunkt der erreichten Ziele liegt dabei in
Veränderungen der Persönlichkeit (79% aller hier Antwortenden), an
zweiter Stelle (39%) stehen Verbesserungen auf der Beziehungsebene v.a.
in Partnerschaft und Familie. Dicht gefolgt stehen an dritter Stelle
(33% aller hier Antwortenden) explizit Heilungen
klinisch-psychiatrischer oder somatischer Störungen.
19% berichten von einer Verbesserung ihres Lebensgefühls, 17 % aller Antwortenden geben an, daß sie ihr Problem (besser) bewältigen können und v.a. ihr emotionales Verhalten geändert haben. Weitere 8% haben mehr Klarheit über die Ursachen ihrer Probleme bekommen und Hilfe bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit erhalten.
Nur in 4 Fällen, von 431 antwortenden Personen das sind 1%, wird ausdrücklich angegeben, daß sich ihre Erwartungen in der Therapie nicht erfüllt haben.
Der Vergleich mit der Frage nach Zielen zu Beginn der Therapie zeigt eine hohe Übereinstimmung zwischen den angestrebten und tatsächlich erreichten Zielen: Die Reihung der ersten beiden Zieldimensionen (Persönlichkeit und Beziehung) ist ident, auch die an dritter Häufigkeitsstelle genannte Verringerung klinischer Symptomatik.
Die offene Frage nach unerfüllten Erwartungen wurde von 30% der
Befragten zu Angaben genützt. Ein Teil der Befragten sehr wohl einige,
aber nicht a l l e Erwartungen erfüllt sah. 27% der hier Antwortenden
(8% der Gesamtstichprobe) wurde die erwünschte Verbesserung ihrer
(damaligen) Partnerschaft nicht erfüllt. 20% der hier Antwortenden
beziehen sich auf die nicht weitgehend genug vollzogene Hebung ihres
Selbstwerts, ihrer Stabilität, ihrer Durchsetzungskraft etc.
Zu den retrospektiven Prae-Post-Vergleichen bezüglich der Qualität
des
Befindens in acht Lebensbereichen auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis
5 (sehr schlecht) ist festzustellen :
Auf die Frage nach der körperlichen Gesundheit vor bzw. nach der
Gestalttherapie geben insgesamt 78% der Befragten an, ihre Gesundheit
sei nach der Psychotherapie sehr gut bis gut, vor der Therapie waren
das nur 40%. Von 32% der Stichprobe, die ihre körperliche Gesundheit
vor der Therapie als schlecht bzw. sehr schlecht einschätzen, tun dies
nach der Therapie nur mehr 4%.
Waren vor Beginn der Therapie keine signifikanten Unterschiede
bezüglich der Zufriedenheit feststellbar, so wird ihr körperlicher
Gesundheitszustand nach Ende der Therapie von den zufriedenen
KlientInnen signifikant besser beschrieben. Signifikant größer ist auch
die Veränderung vom Status prae und Status post: Zufriedene KlientInnen
weisen dabei statistisch bedeutsame Verbesserungen im körperlichen
Wohlbefinden auf.
Gefragt nach der Einschätzung ihrer seelischen Gesundheit vor bzw. nach
der Psychotherapie meinten 72% der KlientInnen, diese sei nach der
Psychotherapie sehr gut bis gut; vor der Therapie konnten das nur 4,6%
von sich behaupten. Von 85% Menschen, die ihre Gefühlslage vor der
Therapie als schlecht bzw. sehr schlecht einschätzen, tun dies nach der
Therapie nur mehr etwas über 5%.
Im Bereich des seelischen Wohlbefindens waren vor der Therapie keine
signifikanten Unterschiede zwischen zufriedenen und unzufriedenen
KlientInnen feststellbar. Nach Ende der Therapie sind sowohl der
aktuelle Zustand als auch die Differenzen aus Status prae und post hoch
signifikant, und bei den zufriedenen KlientInnen besser als bei den mit
ihrer Gestalttherapie unzufriedenen.
Die Verbesserung durch die Therapie bildet sich durch eine Steigerung
der sehr guten oder guten generellen Lebensqualität und Wohlbefinden
von 5 Prozent vor der Gestalttherapie auf 73 Prozent nach der Therapie
ab. Die zufriedenen KlientInnen dabei geben eine signifikante
Verbesserung in Bezug auf ihre Lebensqualität und einen diesbezüglich
derzeit höheren Status als die unzufriedenen an.
Während vor dem Beginn der Psychotherapie etwa 25% der KlientInnen sehr
gut oder gut mit den Anforderungen ihres Lebensalltags zurecht kommen,
sind dies nach Beendigung der Therapie 82%.
Zeigen sich vor Beginn der Therapie keine signifikanten Unterschiede
bezüglich der Zufriedenheit mit der Gestalttherapie, so sind
Veränderungen und aktueller Zustand nach Therapieende hoch signifikant.
Zufriedene KlientInnen kommen mit den Anforderungen ihres Alltags
besser zurecht und geben auch signifikante Verbesserungen bezüglich
dieses Parameters bezogen auf den Zeitpunkt vor der Therapie an.
Wie gut geht es Ihnen in Bezug auf Ihren Beruf und die zu erledigenden
Pflichten und Arbeiten? Hierbei kommen vor ihrer Gestalttherapie etwa
30% der KlientInnen sehr gut oder gut mit den Anforderungen ihrer
beruflichen Pflichten zurecht, nach einer Therapie jedoch 80%.
Vor Beginn der Therapie gibt es zwischen Zufriedenen und Unzufriedenen keine signifikanten Unterschiede. Die Gruppe der zufriedenen KlientInnen erreichte jedoch signifikante Verbesserungen nach der Therapie und beschreibt ihren Zustand in diesem Bereich nach der Therapie signifikant besser als die unzufriedenen.
Vor einer Therapie kommen etwa 25% aller KlientInnen sehr gut oder gut mit ihrem sozialen Umfeld aus, nach einer Therapie sind dies 83%. Vor Beginn der Therapie gibt es bezüglich dieses Parameters zwischen zufriedenen und unzufriedenen KlientInnen keine signifikanten Unterschiede. Die Gruppe der zufriedenen KlientInnen erreichte jedoch signifikante Verbesserungen nach der Therapie und beschreibt ihren Zustand in diesem Bereich nach der Therapie signifikant besser als die mit der Gestalttherapie unzufriedenen.
Der Umgang mit ihnen nahestehenden Menschen, ihren PartnerInnen und
ihrer Familie gelang vor einer Gestalttherapie 20% der KlientInnen sehr
gut oder gut, nach der Therapie gaben diese Werte 77% der Antwortenden
an. Auch bei dieser Frage sind die Ausgangsdaten bezüglich der
Zufriedenheit nicht unterschiedlich, nach Ende der Gestalttherapie
zeigen jedoch die zufriedenen KlientInnen statistisch bedeutsame
Verbesserungen und einen höheren aktuellen Stand bezüglich dieses
Lebensbereiches als die Unzufriedenen.
Die generelle Lebenszufriedenheit steigt von einem Prozentsatz von 14%
sehr guter oder guter Lebenszufriedenheit vor der Therapie auf 74% der
Antwortenden mit sehr guter oder guter Lebenszufriedenheit nach ihrer
Gestaltherapie. Vor Beginn der Therapie waren zufriedene und
unzufriedene KlientInnen statistisch nicht zu unterscheiden. Auch beim
Parameter der allgemeinen Lebenszufriedenheit verbesserten sich die
Werte der Zufriedenen signifikant gegenüber denen der Unzufriedenen.
Somit zeigt sich in verschiedenen relevanten Lebensbereichen für
durchschnittlich 50% bis 70% der KlientInnen deine Verbesserung von
ihrem Status vor zum Status nach der Therapie.
Prae-Post Differenzen und der Beziehung zum/r TherapeutIn:
Personen die angaben, auch in Krisenzeiten das Gefühl gehabt zu haben,
mit dem/der TherapeutIn am selben Strang zu ziehen, verbesserten sich
signifikant in allen Lebensbereichen.
Zufriedenheit und Veränderung bei der Beeinträchtigung der
Lebensbereiche (Prae/Post Differenz): Zeigen sich vor Beginn der
Therapie keine statistisch nachweisbaren Unterschiede hinsichtlich der
Beeinträchtigungen durch ihre seelischen Probleme, so sind nach dem
Ende der Therapie auch hier signifikante Unterschiede zwischen
Zufriedenen und Unzufriedenen feststellbar. Die mit der Gestalttherapie
zufriedenen KlientInnen schätzen alle vier Lebensbereiche
Partnerschaft, Beruf und Ausbildung, Freizeit und Kontakt zu anderen
Menschen nach Beendigung ihrer Therapie besser ein. Die Veränderungen
durch die Gestalttherapie bezüglich der wahrgenommenen Beeinträchtigung
vor und nach der Therapie sind ebenfalls bei der Mehrzahl der
Lebensbereiche (außer bei der Kategorie Kontakt zu anderen Menschen)
als signifikant zu betrachten. Zufriedene KlientInnen nehmen ihre
Einschränkungen nach der Therapie signifikant häufiger zum positiven
verändert wahr als unzufriedene, auch das Maß der positiven Veränderung
ist bei ihnen größer.
Insgesamt zeigen die mit der Gestalttherapie zufriedenen KlientInnen
eine größere Veränderung vom (retrospektiv beurteilten) Status vor der
Therapie zum Status nach der Therapie, v.a. in den Lebensbereichen
Partnerschaft, Beruf und Freizeit als die mit ihrer Therapie
unzufriedenen.
Von den 13% der Gesamtstichprobe, die angeben, noch nach der
Psychotherapie Psychopharmaka eingenommen zu haben, hat der
überwiegende Teil der Antwortenden, 53%, diesen Konsum im Jahr nach der
Beendigung der Psychotherapie eingestellt. Etwa 10% der
Gesamtstichprobe gibt an, zum Zeitpunkt der Befragung (wenn auch nicht
permanent) Medikamente zu nehmen.
Ob durch die Psychotherapie ihre ursprüngliche Symptomatik beeinflußt
wurde, bejahten 86% der KlientInnen: Dabei gaben 16% an, ihre Symptome
seien ganz verschwunden, 35% erfahren sie leichter und seltener bzw.
ebensoviele geben an, jetzt mit ihren Symptomen anders umzugehen. Nur
bei einer (!) KlientIn haben sich die Symptome verstärkt, und nur bei
4% war keine Veränderung feststellbar.
Die Frage nach Veränderungen in ihrem Leben durch die Gestalttherapie bejahten 88% der Befragten 5,6% der Geamtstichprobe verneinten sie.
Auf die Frage nach der Art der Veränderungen, die in ihrem Leben
durch
die Gestalttherapie Platz gegriffen hätten, antworten 86% der
Gesamtstichprobe: Dabei stehen mit 80% der hier Antwortenden solche von
Änderungen der eigenen Person im Vordergrund (Klarheit, Durchsetzung,
Selbstvertrauen und Selbstwert etc.), gefolgt von 43%, die
Verbesserungen im sozialen, v.a. partnerschaftlichen Beziehungen
konstatieren. 29% der Antwortenden haben neue Energien und Lebenslust.
16% stellen hier ausdrücklich eine Verbesserung ihrer vorigen
klinischen Symptomatik fest. 9% der Antwortenden erfahren dabei die
Heilung von einer klinisch-psychiatrischen Störung, 4% eines
körperlichen Leidens. 5% erfuhren eine berufliche Verbesserung, die sie
auf die therapeutische Behandlung zurückführten, ebensoviele geben an,
jetzt mit ihren Gefühlen besser umgehen zu können. 8% machen allgemein
positive Äußerungen über ihre Therapie, ohne auf konkrete Änderungen
einzugehen.
Veränderungen durch die Therapie und Zufriedenheit: In der Beantwortung
dieser offenen (inhaltsanalytisch kategorisierten) Frage gibt es hoch
signifikante Unterschiede zwischen zufriedenen und unzufriedenen
KlientInnen: Während 93% der Zufriedenen angaben, daß sich durch die
Therapie in ihrem Leben etwas verändert habe, beträgt dieser
Prozentanteil bei den Unzufriedenen nur 51%.
In der Einschätzung von therapiebedingten Veränderungen (1= sehr große
Besserung bis 5 = sehr große Verschlechterung) zeigten sich bezüglich
der
- Probleme und Symptome, die Anlaß zur Therapie waren, bei 31% der
KlientInnen eine sehr starke und bei 42 % eine mittlere Verbesserung.
Nur 5% geben an, daß sich ihre Symptomatik verschlechtert habe (Note 4
und 5).
- Ihre Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben sich bei 18%
sehr stark und bei 52% prinzipiell gebessert, nur 2,7% der KlientInnen
geben an, diese hätte sich verschlechtert (Note 4 und 5).
- Ihre Beziehung zu ihren Angehörigen hat sich durch die
Gestalttherapie 18.3 % sehr stark, bei 48 % gut (Noten 1 und 2)
gebessert, bei insgesamt 4% der KlientInnen aber verschlechtert (Noten
4 und 5).
- Die berufliche Leistungsfähigkeit geben 19% der KlientInnen als sehr
stark, 38% als gut gebessert an; 9,5 % erleben sie verschlechtert
(Noten 4 und 5).
- Ihre Freude am Leben hat bei 34% der KlientInnen stark , bei 42% der
KlientInnen ziemlich zugenommen, 4,3 % erleben sie als verschlechtert
(Noten 4 und 5).
- Ihre Einsicht in seelische Zusammenhänge erhöhte sich bei 44% sehr
stark, ziemlich bei 39 % der KlientInnen; 2,4% der Befragten gaben sie
als verschlechtert an (Noten 4 und 5).
- Ihre Selbstachtung und Selbstvertrauen hatten sich bei 34% sehr
stark, bei 44% ziemlich verbessert; 5,1% der KlientInnen gaben diese
Parameter als verschlechtert (Noten 4 und 5) an.
- Ihre Tiefs und Leidenszustände wurden bei 28% der KlientInnen sehr
stark, bei 46% ziemlich gebessert. Eine Verschlechterung ihres Leidens
(Noten 4 und 5) erfuhren insgesamt 5,6% der KlientInnen.
- Das Verhalten bei Konflikten und Problemen gaben 18 % als sehr stark,
53 % als ziemlich gebessert an; nur 6,1% der KlientInnen erlebten ihr
diesbezügliches Verhalten verschlechtert.
Ihre Zukunftssicht hat sich bei 22% der KlientInnen stark und bei 50%
ziemlich gebessert. 6,1% geben allerdings eine diesbezügliche
Verschlechterung (Noten 4 und 5) an.
Zufriedenheit und Ausmaß der Veränderung durch die Gestalttherapie: Bei
allen zehn vorformulierten Items in dieser Frage (siehe oben) zeigen
die zufriedenen KlientInnen ein hochsignifikant größeres Ausmaß an
positiver Veränderung im jeweiligen Lebensaspekt als die unzufriedenen
KlientInnen. Dieses Ergebnis stimmt mit den anderen Angaben über
wahrgenommene Veränderungen und Prae-Post Differenzen in ähnlichen
Lebensbereichen durch die Therapie überein und bestätigt so auch die
innere Koherenz der Angaben in dieser Studie.
Die Frage, ob sie seit Beendigung der Gestalttherapie Rückfälle
erlitten hätten, beantworten 59% der Gesamtstichprobe mit ja.
Auf die Frage nach der Häufigkeit ihrer Rückfälle seit Therapieende
antworten 42% aller Befragten, also nicht alle jene, die überhaupt
angaben Rückfälle zu haben. Von diesen Antworten können etwa 60%, das
sind 13% der Gesamtheit der Befragten einer Kategorie von seltenen,
geringen Rückfällen zugeordnet werden. 28% das sind etwa 8% der
Gesamtstichprobe berichten von häufigeren Rezidativa, die restlichen
Antworten bestätigen nur zeitlich vage das Vorhandensein von Rückfällen.
Ihren Umgang mit Rückfällen beschreiben 86% der hier Antwortenden als
kreativ: Die häufigste Strategie (26% der Nennungen) dabei ist jene,
den Rückfall einfach gelassen hinzunehmen und abzuwarten, ohne sich zu
ängstigen. Fast ebensovielen glückt der explizit genannte Transfer von
in der Therapie Gelerntem und Erkannten als Gegenstrategie zu alten
Mustern. Ähnlich stark vertreten sind Nennungen eines aktiven und
rationalen Umgangs mit ihren Rückschlägen. Sodann folgt ein Hilfesuchen
im Freundes- und Familienkreis (21%). 9% der hier Antwortenden
versuchen mit Entspannungstechniken und Sich-Verwöhnen einem Rückfall
gegenzusteuern. Einen auf Vorsicht und Vermeidung bzw.
Medikamenteneinnahme aufgebauten Umgang mit Rückfällen geben insgesamt
8% der Antwortenden an.
10% sehen kaum eine/keine Besserung im Vergleich zu vor der Therapie.
Nur 5% der Gesamtstichprobe äußern sich in dieser Frage unzufrieden
über ihren Umgang mit Rückfällen.
9% der Antwortenden geben an, eine neue Therapie begonnen, bzw. die
alte wiederaufgenommen zu haben. Insgesamt macht die Analyse dieser
Frage den Eindruck, als ob für einen Teil der KlientInnen Rückfälle in
alte Problematiken zwar nicht verhindert werden können, deren Umgang
mit diesen ist jedoch in der Gestalttherapie (vorbeugend) geschult
worden, daß Rezidativa zwar unangenehm empfunden werden, aber keine
echte Bedrohung der seelischen Stabilität mehr darstellen.
Diagnosegruppen und Rückfälle: Ausgehend von der Häufung eher mit ihrer
Gestalttherapie unzufriedenen KlientInnen bei den Diagnosegruppen
"Phobien und Zwänge" sowie "Depressionen", kann gezeigt werden, daß
Personen die Phobien bzw. Zwänge als ihre Beschwerden zu Beginn der
Therapie angaben, signifikant öfter Rückfälle erleiden: Rund 81% aller
Patienten mit Phobien oder Zwängen leiden an Rückfällen, während es bei
allen andern Symptomen zusammen nur ca. 56% sind.
Auch bei den an depressiven Symptomen Leidenden konnte nachgewiesen
werden, daß ihr Anteil in der Gruppe mit Rückfällen überrepräsentiert
ist. Menschen mit depressiven Symptomen geben zu rund 65% Rückfälle an,
bei allen anderen Symptomgruppen sind es nur durchschnittlich 53%.
Symptomverschiebungen und neu auftretende gravierende Probleme geben
nur 15% der Befragten an, bei 85 % der Antwortenden ist dies nicht der
Fall.
6% der Gesamtstichprobe haben dabei körperliche Erkrankungen, 4% der
Gesamtstichprobe klagen über neu aufgetretene klinisch-psychologische
Störungen. Diese Zahlen sprechen für einen stabilen Behandlungserfolg
der Gestalttherapie.
Veränderungen in der Auftretenshäufigkeit von Symptomen (Prae/Post
Differenz): Für die gesamte Stichprobe gesehen kann von einem
signifikanten Rückgang der Symptome nach der Therapie ausgegangen
werden (nur 7 Personen geben eine Verschlechterung, 34 eine
gleichbleibende Symptomatik aber 325 eine mehr oder minder starke
Verbesserung durch die Gestalttherapie an).
77 % der Befragten gaben an, andere Menschen hätten nach der
Gestalttherapie eine Veränderung an ihnen bemerkt. Auf die Frage, wer
Veränderungen bemerkt hätte wurden in erster Linie FreundInnen (60%),
sodann PartnerInnen (48%) und Familienangehörige (39%) angekreuzt. Der
Aufforderung, die diesbezüglichen Rückmeldungen in einer offenen Frage
wiederzugeben, folgten 50% der Stichprobe.
Die wiedergegebenen Inhalte der Rückmeldungen sind fast durchgehend
positiv und beziehen sich ziemlich einheitlich auf Kommentare zu
Veränderungen in der Persönlichkeit und im Lebensgefühl der Befragten.
Werden in der Gruppe der zufriedenen KlientInnen bei 83,7% positive
Veränderungen wahrgenommen, so sind es bei den Unzufriedenen nur 38,9%.
Somit spiegelt und bestätigt sich die von den Befragten konstatierte
Veränderung durch die Psychotherapie auch durch die Rückmeldungen ihres
sozialen Umfelds.
Die Frage nach weiteren Psychotherapien seit Abschluß ihrer
Gestalttherapie bejahten etwa 22% der Befragten. Warum sie eine
neuerliche Psychotherapie in Anspruch genommen hätten, beantworteten im
offenen Teil der Frage alle jene, die dies angegeben hatten. 38% aller
dieser Antwortenden (das sind 9% der Gesamtsstichprobe) sehen sich dazu
durch ein neu/wieder auftauchendes persönliches Problem veranlaßt. Das
heißt auch, daß sie Psychotherapie als eine zur Problembewältigung
sinnvolle Möglichkeit erfahren haben und bei neuer Symptomatik auf
dieses Mittel zurückgreifen; so wie etwa ein Arzt nach einer
erfolgreichen Behandlung bei neuerlicher körperlicher Krankheit
ebenfalls wieder aufgesucht wird. 31% aller Antwortenden (d.s. 7% der
Gesamtstichprobe) wechseln dabei zu einem anderen Setting (Geschlecht
des/der TherapeutIn, Gruppe/Einzel), was zumeist ebenfalls in Absprache
mit dem behandelnden Therapeuten/in bzw. auf deren Anregung und
Empfehlung hin geschieht.
Signifikante Unterschiede bezüglich der Zufriedenheit mit der
Gestalttherapie finden sich auch bei diesem Item: 34% der mit ihrer
Gestalttherapie Unzufriedenen haben eine neue Psychotherapie begonnen.
Dieser Anteil liegt bei den Zufrieden nur bei 19,9%. Interessant ist
dabei, daß auch solche Menschen, die mit ihrer Gestalttherapie
unzufrieden sind, zu einem Drittel neue Psychotherapien beginnen - die
Enttäuschung läßt sie offenbar nicht diesen Weg der Veränderung
prinzipiell verwerfen.
Zur Frage, ob sie nach ihrer Psychotherapie psychosoziale Hilfe bzw.
professionelle Beratung in Anspruch genommen hätten, äußerten sich das
sind 12% aller Befragten, halb soviele wie bei der Inanspruchnahme
weiterer Psychotherapien, mit ja.
97% der Gesamtstichprobe geben an, seit dem Ende der Gestalttherapie
mit wichtigen Lebensereignissen (life-events) konfrontiert worden zu
sein. Dabei geben je ca. 20% an, eine Partnerschaft beendet bzw. eine
neue begründet zu haben und 10% haben Kinder bekommen. 45 % sind
umgezogen, 29 % haben ihren Arbeitsplatz gewechselt (davon nur 10% in
ein schlechteres Arbeitsverhältnis); 4% sind arbeitslos geworden und 3%
in Frühpension gegangen, 30% haben eine Ausbildung begonnen bzw.
abschließen können und 18 % sind schwerer körperlich krank geworden.
Auf die offene Kategorie "Sonstige wichtige Ereignisse" antworteten
weitere 101 KlientInnen. Bei der inhaltlichen Kategorisierung zeigten
sich wenig neue Informationen außerhalb der schon vorgegebenen: Das
Gros der Nennungen (44% der hier Antwortenden) gibt familiäre
Veränderungen, hauptsächlich im Bereich einer bestehenden Partnerschaft
an, weiters Auszug der Kinder und Geburt von Enkeln, Tod naher
Angehöriger oder finanzielle Veränderungen. Schon in den statistisch
erfassten Kategorien, aber hier explizit von einigen nochmals genannt
sind mit 18% aller Antwortenden berufliche Veränderungen, 9% haben
Ausbildungen begonnen bzw. abgeschlossen. Anzumerken ist dabei, daß die
Ereignisse von überwiegend erfreulicher Qualitäten beschrieben werden.
8% der Antwortenden klagen über körperlich-gesundheitliche Probleme. Je
7% der Antwortenden gaben noch weitere erfreuliche Änderungen ihrer
inneren bzw. äußeren Lebensumstände an.
Zufriedenheit und Auftreten von Life-events: Bei den Lebensereignissen
"Kinder bekommen", "eine Ausbildung abgebrochen" "Veränderung des
Arbeitsplatzes" und "Veränderung der Wohnqualität" sind signifikante
Unterschiede zwischen mit der Gestalttherapie Zufriedenen und
Unzufriedenen aufgetreten.
Während von den Unzufriedenen nur 1,9% Nachwuchs bekamen, beträgt
dieser Prozentanteil bei den Zufriedenen doch immerhin 11,2%. Haben bei
den unzufriedenen Befragten 5,8% eine Ausbildung abgebrochen, so waren
daß bei den zufriedenen nur 0,8%.
Beträgt der Anteil bei den zufriedenen KlientInnen, die eine neuen
Arbeitsplatz in einer besseren Position gefunden haben 68%, so liegt
dieser Anteil bei den Unzufriedenen nur bei 44%. Umgekehrt verhält es
sich bei der Annahme eines Jobs in einer schlechteren Position: 33,3%
aller mit ihrer Gestalttherapie unzufriedenen KlientInnen, die einen
neuen Arbeitsplatz angenommen haben, befinden sich nun in einer
schlechteren Position. Bei den Zufriedenen liegt dieser Anteil bei nur
5,9%.
Signifikante Unterschiede zwischen Zufriedenen und Unzufrieden treten
auch bei jenen Befragten auf, die einen Wohnungswechsel vollzogen
haben. Haben 26% der Unzufriedenen, die einen Wohnungswechsel
durchführten, eine Wohnung mit schlechterer Qualität gefunden, so
beträgt der entsprechende Anteil bei den mit ihrer Gestalttherapie
zufriedenen KlientInnen nur 7,5%.
Mit der Gestalttherapie zufriedene KlientInnen geben überzufällig
häufiger als unzufriedene positive Änderungen in ihrem Leben an: Sie
wechseln zu besseren Arbeitsplätzen und Wohnungen, bekommen häufiger
Kinder und brechen mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine Ausbildung
ab, als die Gruppe der Unzufriedenen.
Diese überaus wichtige Ergebnis kann im Sinne eines "Greifens" der
Veränderungen durch die Therapie im Sinne einer Lebensverbesserung
interpretiert werden, in der nicht nur Symptome reduziert, sondern
Lebensverhältnisse zum besseren geändert werden.
Vollständige Studie zum
Download (pdf)
Dr. Brigitte Schigl (Wien, Krems), Klinische- und Gesundheitspsychologin, Integrative Gestalttherapeutin (ÖAGG), Supervisorin, in freier Praxis, Univ. Lektorin, (Universität Graz, Donauuniversität), Leitung und Durchführung von wissenschaftlichen Forschungsprojekten (Psychotherapie,-Evaluationsforschung).
Kontakt: brigitte.schigl@aon.at