Ausbildung Integrative Gestaltberatung


Dipl. L e b e n s b e r a t u n g
Methode: Integrative Gestaltberatung
(6 Semester, berufsbegleitend)

Lebens- und Sozialberatung ist ein gebundenes und bewilligungspflichtiges Gewerbe. Nur Personen mit gründlicher Ausbildung, Praxiserfahrung und methodischer Qualifikation arbeiten als diplomierte LebensberaterInnen.

Copyright: Dr. Elisabeth Wildberger, Markus Hochgerner, Mag.
Liselotte Nausner

Was ist Integrative « Gestalt »-Beratung?

Die Integrative Gestaltberatung beruht auf der Gestalttherapie von Fritz und Lore Perls und Paul Goodman. „Integrativ“ weist auf die Einbeziehung theoretischer wie methodischer Weiterentwicklungen hin.
Gestalttheoretische Erkenntnisse aufgreifend, wird der Mensch als Ganzer in seiner Leiblichkeit, Emotionalität und seinen geistigen Strebungen begriffen, der unauflöslich mit seiner sozialen und ökologischen Umwelt verbunden ist.
Die Integrative Gestaltberatung sieht die Beziehung zwischen BeraterIn und KlientIn als die entscheidende Grundlage für die
beraterische Arbeit. Sie richtet die Aufmerksamkeit darauf, was im Kontakt hier und jetzt offensichtlich wird – durch Sprache, Stimme, Gestik, Mimik, Körperhaltung, Bewegungsmuster und versucht, vom Offensichtlichen zu den Persönlichkeits- und Verhaltensmustern zu gelangen (phänomenologisch-hermeneutisches Verfahren).
Der Begriff „Gestalt“ stammt aus der Gestaltpsychologie und bezieht sich auf die Wahrnehmung von Ganzheiten. Durch die Gestalttherapie und -beratung wurde der Begriff auf die Erfahrungsphänomene generell erweitert: danach konstruieren Menschen ihre Wirklichkeit – ausgelöst durch innere und äußere Reize – als Ganzheiten oder Gestalten, wobei das Ganze mehr ist als die Summe ihrer Teile. „Gestalt“ wird in der Gestalttherapie und Gestaltberatung als die Dynamik des Hervortretens einer Figur vor einem Hintergrund dargestellt. Dieser Prozess wird durch Impulse oder Bedürfnisse im Wechselspiel mit Bedingungen des Umweltfeldes ausgelöst. Das Stück Brot wird für den Hungernden zur Figur, die er sich einverleiben möchte, um das unbefriedigte Bedürfnis zu stillen. „Unabgeschlossene Gestalten“ drängen zur Schliessung. So setzen sich unerfüllte Bedürfnisse immer wieder durch, beispielsweise Unerfülltes oder Traumatisches aus der Lebensgeschichte. Es gilt daher, sich „offener Gestalten“ bewusst zu werden und sie auf situationsangemessene Weise zu schliessen bzw. sie zu transformieren. Unverarbeitete Erfahrungen prägen das Kontaktverhalten und blockieren den Weg der Sinnfindung und des natürlichen Wachstums der Persönlichkeit. In Dialogen, Rollenspiel, Imaginations- und Identifikationsübungen vergegenwärtigt und durchlebt der/die Klient/in ungeklärte Situationen.

Ein Ganzes ist mehr als die Summe seiner Teile.

Eine Melodie ist mehr als die Summe seiner Noten.

Ein Roman ist mehr als die Summe seiner Wörter.

Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Einzelerfahrungen.


Zielgruppen:

Personen, die beratend in ihren Arbeitsfeldern tätig sind oder werden möchten (PädagogInnen, SozialarbeiterInnen, SeelsorgerInnen, Pflegepersonal, PersonalberaterInnen, AltenfachbetreuerInnen, MasseurInnen,etc.) und die keine Krankenbehandlung als PsychotherapeutInnen anstreben, sowie Menschen, die die eigenständige Tätigkeit als LebensberaterIn ausüben wollen.

Voraussetzungen:

Mindestalter 24 Jahre, wünschenswert ist die Tätigkeit in einem sozialen, pädagogischen, pflegerischen oder wirtschaftlichen Bereich.

Dauer der Ausbildung:

6 Semester
Vor Beginn der Ausbildung ist « positiv »zu absolvieren:
 ein Auswahlinterview bei einem/r unserer LehrtherapeutInnen
 ein Einführungs- und Auswahlseminar

Kosten:

€ 1.100,-- pro Semester
ohne Reise- und Aufenthaltskosten, exklusive Einzeltherapie, Einzel- und Gruppensupervision.

Anmeldung bei:

Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik / ÖAGG,
1080 Wien, Lenaugasse 3, Tel: 01-718 48 60, Fax DW 2
E-mail: gestalttherapie@oeagg.at

Info:

Dr. Elisabeth Wildberger
5020 Salzburg, Griesgasse 15
Tel/Fax: 0662- 841 573
E-Mail: elisabeth.wildberger@sbg.at

Ausbildungsschritte:

Gruppenselbsterfahrung
Fachspezifischer Teil/Methodik Integrative Gestaltberatung Krisenintervention
Grundlagen, Unterschiede, Abgrenzungen für die Lebens- und Sozialberatung in den angrenzenden sozialwissenschaftlichen, psychologischen, psychotherapeutischen, pädagogischen, medizinischen, seelsorgerischen Fachbereichen
Rechtsfragen, Berufsethik und Berufsidentität
Betriebswirtschaftliche Grundlagen
Der Lehrgang hat mindestens 560 Stunden zu umfassen.
Zusätzlich zur vorgegebenen Ausbildung:
  mindestens 30 Stunden Einzelselbsterfahrung/therapie
  mindestens 80 Stunden Gruppensupervision
  mindestens 20 Stunden Einzelsupervision
weiters sind 750 Stunden « fachliche Tätigkeit » (Praktikum, Einzelsupervision, Peergruppenarbeit, Leitung od. fachliche
Assistenz bei themenspezifischen Seminaren, Protokolle über Beratungstätigkeiten) bei Abschluß des Lehrganges nachzuweisen.

Abschluß der Ausbildung:
  Prüfungsgespräch über eine theoretische/praktische
  Abschlussarbeit aus dem Praktikum.
Die TeilnehmerInnen erhalten bei erfolgreichem Abschluß ein Zertifikat zum/r Dipl.LebensberaterIn. Danach können sie bei der Landesregierung den Antrag auf Gewerbeberechtigung als LebensberaterIn einreichen (gemäß Verordnung über den Befähigungsnachweis für das Gewerbe der Lebens- und Sozialberater vom 14. Feb. 2003 im Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich)

Ausbildungsschritte:
1.Semester:
1. 4 Wochenenden à 20 Stunden Gruppenselbsterfahrung
Selbsterfahrung zur personalen Kompetenz mit dem Ziel der Förderung von: Selbstwahrnehmung, Selbstwert, Selbstausdruck, Stressbewältigung, Ressourcenorientierung, Stabilität, Flexibilität, Belastbarkeit.
Selbsterfahrung zur sozialen Kompetenz mit dem Ziel der Förderung von: Fremdwahrnehmung, Kontakt-, Begegnungs- und Beziehungsfähigkeit (in Gruppe, Alltag und Beruf), Selbstbehauptung, eigene Wünsche erkennen und äußern können, Fähigkeit zur direkten und eindeutigen Kommunikation, Verantwortung, Umgang mit Nähe und Distanz, Kritikfähigkeit, Akzeptanz, Toleranz, Wärme.
2. Grundlagen für die Lebens- und Sozialberatung in den angrenzenden sozialwissenschaftlichen, psychologischen,
psychotherapeutischen, pädagogischen und medizinischen Fachbereichen.68 Stunden Unterschiede, Abgrenzungen und Gemeinsamkeiten zwischen Lebensberatung, Psychotherapie, Psychologie, Medizin einschließlich Psychiatrie, Seelsorge, Pädagogik, Sozialarbeit und sonstigen Tätigkeiten im psychosozialen Umfeld.
Anthropologische und philosophische Grundlagen in den angrenzenden Fachbereichen. Psychologische und pädagogische sowie kommunikationstheoretische Grundlagen.

2. Semester:
2.1. Theoretische Grundlagen Integrativer Gestaltberatung:
Die Theorie wird in zwei Seminaren angeboten.
2.1.Theorie I: Metatheorie, 20 Stunden
Einführung in die allgemeinen theoretischen Grundlagen, Persönlichkeits- und Entwicklungstheorie, Theorie   menschlicher Interaktion und Kommunikation.
2.2. Gestalt-Wahrnehmung, 20 Stunden
Der Gestaltberatung förderliche Formen der Selbst- und Fremdwahrnehmung werden focussiert und vermittelt. Figur-
Grund-Wahrnehmung, die Sensibilisierung der fünf Sinne und das Dialogische Prinzip werden ebenso Thema sein wie die sensorische, affektbezogene und kongnitive Verarbeitung von Wahrnehmung.
2.3. Erstkontakt und Erstgespräch in der Beratung, 20 Stunden
Auf der Grundlage des Konzeptes der „Fünf Säulen der Identität“ und des hermeneutischen Erkenntnismodells sind    die Probleme und Ressourcen im ersten Kontakt das Thema des Seminars. Die psychosoziale Diagnostik und Settingfragen werden die Schwerpunkte sein. Die Möglichkeiten und Grenzen gestaltberaterischer Interventionen sollen herausgearbeitet und die Grundlagen von Auftragsklärung und Beratervertrag vermittelt werden.
2.4. Theorie II: Persönlichkeitstheorien, Bedingungen für die Entstehung von Krankheit und Gesundheit, Beratungsprozess (Modelle), 20 Stunden

3. Semester:
3.1. Psychopathologie in der Beratungsarbeit, 20 Stunden
Erkenntnisse zu Störungsformen psychischer Erkrankungen werden nach Häufigkeit (Prävalenz), Inhalten (Phänomene und deren Begrifflichkeit) und Wirkung auf den/die Berater/in (im Dialog) vermittelt.
Ziel ist: Wissen um eigene Möglichkeiten und Grenzen in der beratenden Arbeit sowie sinnvolle Vernetzung mit anderen
Berufsgruppen. Die Wissensvermittlung steht dabei vor dem Hintergrund des Menschenbildes und der Krankheits- und Gesundheitslehre der Integrativen Gestalttherapie.
3.2. Gruppenselbsterfahrung, 20 Stunden
3.3. Kreative Techniken I, 20 Stunden
Der „Kreativitätsbegriff“ und die Verwendung von Symbolen allgemein, entwicklungspsychologische Momente in der Wahrnehmung, im Symbolisieren und in der Interaktion, Regression und Progression im Beratungsprozess, sowie        Indikationen und Kontraindikationen zur Verwendung kreativer Medien werden wesentliche Themen sein.
3.4. Kreative Techniken II, 20 Stunden
 Methodik und Technik im Einsatz von darstellenden und gestaltenden Beratungselementen (Bewegung, Bild, Ton,    Gegenstände, szenischer Dialog) werden erarbeitet und auf dem Hintergrund eines Beratungsverlaufes (Beginn – Mitte – Ende) reflektiert.
3.5. Familienberatung und Beratung mit erweiterten Systemen I, 20 Stunden
Themen dieses Seminars sind: Übungen, Rollenspiele, Aufstellungen, Skulpturarbeit, Reflexion der eigenen       Herkunftsfamilie, Diagnose und Beratung im Umgang mit Familien, Systemberatung.

4. Semester:
4.1. Familienberatung II, 20 Stunden
4.2. Krisenintervention I, 40 Stunden
„Krise“ allgemein wird definiert.Gesetzmäßigkeiten von Krisen werden erarbeitet. D.h. mögliche Auslöser, Abläufe und Verläufe, sowie Ausgänge von Krisen werden dargestellt. Anhand des „Krisenpanoramas“ werden sich die  TeilnehmerInnen mit eigenen Krisen sowie der eigenen Krisenanfälligkeit beschäftigen. In Rollenspielen werden „Schritte in der Krisenintervention“ geübt.
4.3. Krisenintervention II/1, 20 Stunden
4.4. Krisenintervention II/2, 20 Stunden
Gegenstand dieser beiden Seminare werden v.a. folgende Krisensituationen sein:
          • Verlust und Trauer
          • Suizidalität und Suizid
          • Gewalt und Missbrauch
Die TeilnehmerInnen lernen die Abschätzung von Selbst- und Fremdgefährdungen, spezielle Kriseninterventionstechniken und klären auch Fragen, ob und wann Kriseninterventionen oder andere Interventionen (z.B. Psychotherapie, psychiatrische Behandlung) angezeigt sind.

5. Semester:
5.1. Beratungsarbeit – feldspezifische Fragestellungen, Teil 1,  20 Stunden
Anhand der Berufsfelder der TeilnehmerInnen werden die Besonderheiten verschiedener Klientels erarbeitet.
Besondere Aufmerksamkeit wird den gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen gewidmet.
5.2. Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Lebens- und Sozialberatung, 24 Stunden
5.3. Beratungsarbeit – feldspezifische Fragestellungen, Teil 2, 20 Stunden
Spezifische Fragestellungen werden anhand von mitgebrachten Einzelfallbeispielen erarbeitet.
5.4. Betriebswirtschaftliche Grundlagen, 16 Stunden
5.5. Berufsethik und Berufsidentität, 16 Stunden

6. Semester:
6.1. Gruppenselbsterfahrung, 20 Stunden
6.2. Einführung in die Integrative Gestaltsupervision, Teil 1, 20 Stunden
6.3. Einführung in die Integrative Gestaltsupervision, Teil 2, 20 Stunden
Themen wie: Diagnostik, Übertragung und Gegenübertragung, Widerstand und Umgang damit, institutionelle Bedingtheiten, Settingfragen und Anderes, werden in supervisorischer Gruppenarbeit mit Erfahrungen angereichert. Methodisch stehen Rollenspiel und andere erlebnisorientierte Elemente im Vordergrund.
6.4. Abschlussseminar: Prozessanalyse, 20 Stunden
Reflexion und Bilanz. Prozessanalyse der Gesamtgruppe.