Der Lehrgang Lebens- und Sozialberatung,
Methode Integrative Gestalttherapie der Fachsektion Integrative
Gestalttherapie im ÖAGG ist durch die beim Allgemeinen Fachverband
des Gewerbes eingerichtete Zertifizierungsstelle (§ 119 Abs. 5 GewO
1994) anerkannt und wird durch diese auch laufend evaluiert.
Lebens- und Sozialberatung ist ein gebundenes und
bewilligungspflichtiges Gewerbe. Nur Personen mit gründlicher
Ausbildung, Praxiserfahrung und methodischer Qualifikation arbeiten als
diplomierte Lebens- und SozialberaterInnen.
Die im Folgenden angeführten Tätigkeiten sind Tätigkeiten des Gewerbes
der Lebens- und Sozialberatung und dürfen daher nur aufgrund einer
diesem Gewerbe entsprechenden Bewilligung ausgeübt werden:
Beratung, Coaching, Counselling und Betreuung von Personen oder
Institutionen, insbesondere in den Gebieten
Persönlichkeitsentwicklung
Selbstfindung
Problemlösung
Verbesserung der Beziehungsfähigkeit sowie psychologische Beratung (mit
Ausnahme der Psychotherapie)
Der Tätigkeitskatalog ist auch auf der homepage www.lebensberater.at
abrufbar.
Die Methode, die wir vermitteln ist „Integrative Gestaltberatung“
Was ist Integrative « Gestalt »-Beratung?
Die Integrative Gestaltberatung beruht auf der Gestalttherapie von
Fritz und Lore Perls und Paul Goodman. „Integrativ“ weist auf die
Einbeziehung theoretischer wie methodischer Weiterentwicklungen hin.
Gestalttheoretische Erkenntnisse aufgreifend, wird der Mensch als
Ganzer in seiner Leiblichkeit, Emotionalität und seinen geistigen
Strebungen begriffen, der unauflöslich mit seiner sozialen und
ökologischen Umwelt verbunden ist.
Die Integrative Gestaltberatung sieht die Beziehung zwischen BeraterIn
und KlientIn als die entscheidende Grundlage für die beraterische
Arbeit. Sie richtet die Aufmerksamkeit darauf, was im Kontakt hier und
jetzt offensichtlich wird – durch Sprache, Stimme, Gestik, Mimik,
Körperhaltung, Bewegungsmuster und versucht, vom Offensichtlichen zu
den Persönlichkeits- und Verhaltensmustern zu gelangen
(phänomenologisch-hermeneutisches Verfahren).
Der Begriff „Gestalt“ stammt aus der Gestaltpsychologie und bezieht
sich auf die Wahrnehmung von Ganzheiten. Durch die Gestalttherapie und
-beratung wurde der Begriff auf die Erfahrungsphänomene generell
erweitert: danach konstruieren Menschen ihre Wirklichkeit – ausgelöst
durch innere und äußere Reize – als Ganzheiten oder Gestalten, wobei
das Ganze mehr ist als die Summe ihrer Teile. „Gestalt“ wird in der
Gestalttherapie und Gestaltberatung als die Dynamik des Hervortretens
einer Figur vor einem Hintergrund dargestellt. Dieser Prozess wird
durch Impulse oder Bedürfnisse im Wechselspiel mit Bedingungen des
Umweltfeldes ausgelöst. Das Stück Brot wird für den Hungernden zur
Figur, die er sich einverleiben möchte, um das unbefriedigte Bedürfnis
zu stillen. „Unabgeschlossene Gestalten“ drängen zur Schliessung. So
setzen sich unerfüllte Bedürfnisse immer wieder durch, beispielsweise
Unerfülltes oder Traumatisches aus der Lebensgeschichte. Es gilt daher,
sich „offener Gestalten“ bewusst zu werden und sie auf
situationsangemessene Weise zu schliessen bzw. sie zu
transformieren.Unverarbeitete Erfahrungen prägen das Kontaktverhalten
und blockieren den Weg der Sinnfindung und des natürlichen Wachstums
der Persönlichkeit. In Dialogen, Rollenspiel, Imaginations- und
Identifikationsübungen vergegenwärtigt und durchlebt der/die Klient/in
ungeklärte Situationen.
Ein Ganzes ist mehr als die Summe seiner Teile.
Eine Melodie ist mehr als die Summe ihrer Noten.
Ein Roman ist mehr als die Summe seiner Wörter.
Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Einzelerfahrungen.
Zielgruppen:
Personen, die beratend in ihren Arbeitsfeldern tätig sind oder werden
möchten (PädagogInnen, SozialarbeiterInnen, SeelsorgerInnen,
Pflegepersonal, PersonalberaterInnen, AltenfachbetreuerInnen,
MasseurInnen,etc.) und die keine Krankenbehandlung als
PsychotherapeutInnen anstreben, sowie Menschen, die die eigenständige
Tätigkeit als LebensberaterIn ausüben wollen.
Voraussetzungen:
Mindestalter 24 Jahre, wünschenswert ist die Tätigkeit in einem
sozialen, pädagogischen, pflegerischen oder wirtschaftlichen Bereich.
Dauer der Ausbildung: 6 Semester
Vor Beginn der Ausbildung ist « positiv »zu absolvieren:
ein Auswahlinterview bei einem/r unserer LehrtherapeutInnen
ein Einführungs- und Auswahlseminar
Kosten:
€ 1.300,-- pro Semester
ohne Reise- und Aufenthaltskosten, exklusive Einzelselbsterfahrung,
Einzel- und Gruppensupervision.
- Einführung in die Lebens- und Sozialberatung und Sozialphilosophie
- Gruppenselbsterfahrung
- Fachspezifischer Teil/Methodik Integrative Gestaltberatung
- Krisenintervention
- Grundlagen, Unterschiede, Abgrenzungen für die Lebens- und
Sozialberatung in den angrenzenden sozialwissenschaftlichen,
psychologischen, psychotherapeutischen, pädagogischen, medizinischen,
seelsorgerischen Fachbereichen
- Rechtsfragen, Berufsethik und Berufsidentität
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen
Der Lehrgang hat mindestens 560 Stunden zu umfassen.
Zusätzlich zur vorgegebenen Ausbildung
- mindestens 30 Std. Einzelselbsterfahrung
- mindestens 80 Stunden Gruppensupervision
- mindestens 20 Stunden Einzelsupervision
- weiters sind 750 Stunden « fachliche Tätigkeit »
(Praktikum, Einzelsupervision, Peergruppenarbeit, Leitung od. fachliche
Assistenz bei themenspezifischen Seminaren, Protokolle über
Beratungstätigkeiten) bei Abschluß des Lehrganges nachzuweisen.
Abschluß der Ausbildung:
- schriftliche Arbeit/Diplomarbeit
- mündliche Prüfung über eine theoretische/praktische Abschlussarbeit
aus dem Praktikum und dem vorgegebenen Themenkatalog.
Die TeilnehmerInnen erhalten bei erfolgreichem Abschluß ein Zertifikat
mit dem Titel „Integrative GestaltberaterIn / ÖAGG“. Danach können sie
bei der Landesregierung den Antrag auf Gewerbeberechtigung als
LebensberaterIn einreichen (gemäß Verordnung über den
Befähigungsnachweis für das Gewerbe der Lebens- und Sozialberater vom
14. Feb. 2003 im Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich).